Epochen

Linien

Orte

Personen

Werk u. Buch













©MatthiasFlothow
Kontakt: dumii@web.de

Grifo

* um 726
† 753 ermordet in Saint-Jean de Maurienne

Vater: Karl Martell
Mutter: Swanahilt

Führte nach dem Tode seines Vaters, der Grifo einen Teil von Neustrien, Austrien und Burgund „in medio principatus sui“ zuerkannt hatte, einen lebenslangen Kampf um die Teilhabe an der Herrschaft. Er geriet nach 741 in Spannungen mit seinen älteren Halbbrüdern Karlmann und Pippin III. dem Jüngeren suchte mit seiner Mutter und zahlreichen Anhängern Zuflucht in Laon, wurde anschließend sechs Jahre zu Chevremont in Klosterhaft gehalten und erst 747 von Pippin entlassen. Unzufrieden mit der ihm von diesem zugestandenen Besitzausstattung, entzog sich Grifo dem Einfluß Pippins und eroberte mit seinen Anhängern das Herzogtum Bayern, die Heimat seiner Mutter. Nach erneuter Niederlage und Aussöhnung erhielt er Le Mans mit zwölf Komitaten, rebellierte aber 748 erneut und zog ins aufständische Aquitanien, um von dort aus zu den Langobarden zu gelangen. 753 wurde er im burgundischen St-Jean-de-Maurienne von Grafen Pippins getötet. Swanahilde Nachdem ihm seine Mutter „mit bösem Rat die Hoffnung auf den Besitz des gesamten Reiches“ (Einhard) gemacht hatte, ließ er sich dazu verleiten, seinen Brüdern Karlmann und Pippin den Krieg zu erklären, wurde aber besiegt. 749 wollte er Herzog Tassilo III. die Herrschaft in Bayern entreißen, was am Widerstand der Franken scheiterte.

Herzog in Neustrien , wo er 12 Grafschaften regierte.

Filiationsbelege bei Nr. 33; dazu Contin. Fredegarii c. 35, MG. SS. rer. Merov. 2, Seite 183: germanus ipsius rege (i. e. Pippini) nomine Gripho ... interfectus est.
Quellenzusammenstellung bei H. L. Mikoletzky, Karl Martell und Grifo (wie in Nr. 33), Seite 155f.

Grifo, dem kurz vor dessen Tode von seinem Vater ein Erbteil in Neuster, Auster und Burgund, also inmitten des Reiches, zuerkannt worden war, konnte sich nach dessen Tod nicht in den Besitz seines Erbes setzen. Er wurde von seinen Halbbrüdern Karlmann und Pippin in Laon umzingelt und schließlich auf dem Chevremont bei Lüttich gefangengesetzt, während seine Mutter im alten Königskloster Chelles bei Paris verschwand. sei nachträglich auf Betreiben seiner Mutter, "eines ruchlosen Weibes" (improbae mulieris), vom Vater ein Erbteil in Neuster; Auster und Burgund, also inmitten des Reiches, zuerkannt worden. Dies steht womöglich für noch weitergehende Zusagen, denn Swanhild und ihr Sohn, nicht aber Karlmann und Pippin werden fünf Wochen vor Karls Tod in dessen letzter Urkunde als Zustimmende erwähnt, standen also bis zum Ende mit ihm in sichtlichem Einvernehmen.

Karl Martell ließ sich aber eindeutig darüber hinaus noch für den dynastisch konsequenten Gedanken gewinnen, auch seinen höchstens 15-jährigen Sohn Grifo au s zweiter Ehe, der samt seiner Mutter besonderer Sympathie in Bayern gewiß sein durfte, mit einem eigenen Anteil auf Kosten der älteren Halbbrüder auszustatten.
Tatsächlich scheint die politische Ungewißheit nur kurz gewesen zu sein. In einem sehr zügigen Drama zog nämlich die "bayerische Partei" der letzten Jahre Karl Martell rasch den kürzeren: Hiltrud eilte zu Herzog Odilo nach Bayern und heiratete nun den Vater ihres kleinen Sohnes Tassilo gegen den Willen ihrer Brüder. Falls Swanhild von dort Unterstützung für Grifo erwartete, blieb dies vergebens, denn Karlmann und Pippin haben anscheinend noch vor der Jahreswende 741/42 den Versuch ihres Halbbruders im Keim erstickt, sein zentral gelegenes Teilreich (oder mehr?) an sich zu reißen. Grifo wurde Laon umzingelt und schließlich auf dem Chevremont bei Lüttich gefangen gesetzt, während seine Mutter im alten Königskloster Chelles bei Paris verschwand, das hier erstmals in Händen der Karolinger begegnet. Die Abqualifizierung der zweiten Gemahlin Karls als Konkubine bildete offenbar die moralische Rechtfertigung dieses Vorgehens und dürfte sich von daher in der Überlieferung ausgebreitet haben.

Nach einer lange verkannten Nachricht der Reichsannalen hatten Karlmann und Pippin 742 auf dem Rückweg aus Aquitanien in Vieux-Poitiers eine abermalige Reichsteilung vereinbart, die offenbar der Ausschaltung Grifos Rechnung tragen sollte.

In unklarem Zusammenhang steht die Nachricht, dass der früher schon ausgeschaltete Halbbruder Grifo 747 gleich nach Karlmanns Verzicht von Pippin auf freien Fuß gesetzt wurde, eine Versöhnung jedoch ablehnte und mit "sehr vielen jungen Männern aus fränkischem Adel, die ihren eigentlichen Herrn verließen", zu den feindlichen Sachsen eilte. Als der Hausmeier auf die kaum verhüllte Rebellion mit einem raschen Feldzug bis zum Harz reagierte, floh Grifo weiter nach Bayern, wo er sich nach dem Tod des Herzogs Odilo(748) neue politische Chancen ausrechnete. Im Namen von dessen Witwe, seiner Halbschwester Hiltrud, und ihres unmündigen Sohnes Tassilo, die er in seine Gewalt brachte, begann er - als Agilolfinger und Karolinger zugleich - über diesen Dukat zu herrschen, unterstützt nicht bloß von bayerischen, sondern auch fränkischen und alemannischen Großen.

Pippin war dadurch herausgefordert, 749 erneut mit starker Macht nach Bayern zu ziehen, warf seine Gegner bis hinter den Inn zurück und zwang sie zur Ergebung. Während Hiltrud die Vormundschaft über Tassilo in Bayern belassen wurde, erschienen Grifos Herrschaftsansprüche in der Francia offenbar immer noch als fundiert und sein Anhang als gewichtig genug, um Pippin zu veranlassen, ihm eine Abfindung mit 12 Grafschaften um Le Mans zu gewähren. Auch damit nicht zufrieden, wandte sich Grifo bald als letzter Zuflucht innerhalb des Reiches Aquitanien zu, dessen Herzog Waifar ihn jedoch nur für begrenzte Zeit schützen konnte.

Beim Versuch, zu den Langobarden nach Italien durchzubrechen, wurde er 753 in den Alpen von Leuten Pippins im Kampf getötet und damit vollends zum Opfer des dynastischen Rangstreits mit dem älteren Stiefbruder. , die ihren Gatten in ihrem Sinne zu beeinflussen wußte und ihn schließlich von den Schalthebeln der Macht entfernte: Als Karl Martell wenige Wochen vor seinem Tod dem Kloster Saint-Denis, in dem er beigesetzt werden wollte, eine letztwillige Verfügung zukommen ließ, unterzeichneten den Schenkungsakt zum Zeichen ihrer Zustimmung neben einer Reihe von Grafen und Klerikern nur die inlustris matrona Sonechildis und sein Sohn Grifo , nicht dagegen Karls Söhne erster Ehe. Swanahild konnte es wagen, mit Hilfe des Grafen Gairefred von Paris ihre Hand auf einen Teil der Einkünfte zu legen, die der Abtei Saint-Denis vom jährlichen Dionysius-Markt und seinem Umsatz zustanden.
Vor allem aber erreichte sie, daß Karl Martell , ohne seine optimates zu konsultieren, seine spätestens im Frühjahr 737 getroffene Regelung der Erb- und Herrschaftsnachfolge umstieß und für Swanahilds Sohn Grifo eine terna portio aus Teilen Neustriens, Austrasiens und Burgunds inmitten der den älteren Söhnen zugedachten Herrschaftsbezirke zusammenfügte. Für die Stieftochter Hiltrud jedoch arrangierte Swanahild die Verbindung mit ihrem Verwandten Odilo , so daß mit dessen mit Hiltrud gezeugter Sohn gegenenfalls ein weiterer Erbe bereitstand.

Daß Grifo, den Vater und Mutter einst dem Gebet des Bonifatius empfohlen hatten, vielleicht die potestas in Thüringen übernehme, hatte Bonifatius augenscheinlich erfahren, bat er doch ihn um Schutz und Unterstützung für sich und seine Untergebene in dieser Region. Mitten im Text geht der an Grifo gerichtete Brief in die Anrede an die filia carissimi über.

Vor dem in einer Quelle postulierten Herrschaftsantritt der Söhne Karl Martells aus erster Ehe stand die unausweichliche Auseinandersetzung mit dem vom Vater als Miterben nachgeschobenen Halbbruder Grifo , den seine Mutter Swanahild gedrängt haben soll, sich des Gesamterbes des verstorbenen Hausmeiers zu bemächtigen. Karlmann und Pippin kamen mit ihren jeweiligen Anhängern überein, ebendies mit militärischen Mitteln zu verhindern, gegebenenfalls Grifo gefangenzusetzen und ihn dadurch zu hindern, seine und seiner Mutter Pläne zu reaslisieren.

Auf die Kunde vom Aufmarsch der Brüder hin stob die um Swanahild gescharte Hofpartei auseinander. Swanahild sorgte mit willigen Helfern dafür, daß ihre Stieftochter Hiltrud rasch zu Herzog Odilo nach Bayern gelangte, der sie nunmehr rechtsförmlich zur Ehefrau nahm - angeblich zum Leidwesen ihrer Brüder. Sie selbst zog sich mit ihrem Sohn Grifo und ihren und Grifos Parteigängern in die civitatis Laon zurück, von den Kräften der Stiefsöhne belagert. Bald erkannte Grifo die Aussichtslosigkeit seines Widerstandes, er ergab sich den Halbbrüdern. Diese scheinen sich in diesem Moment getrennt zu haben: Karlmann setzte Grifo in Chevremont gefangen und wies Swanahild ins Kloster Chelles ein. Während er so im Kernraum der karolingischen Macht die angestrebte Ordnung wiederherstellte und vielleicht in diesem Operationsrahmen Theodoald , den einst von Pippin dem Mittleren als Nachfolger berufenen Hausmeier, als lästigen Mitbewerber beseitigte [Annales Petaviani ad a. 741, MGH SS 1, Seite 11 und Annales Alamannici ad a. 741, hg. von Lendi (wie Anm. 15), Seite 150: .. et Theod(o)aldus interfectus est. Dazu Collins, Deception (wie Anm. 121), Seite 230-235. Oder sollte Theodoald gar der von Bonifatius 741/42 einmal erwähnte avunculus ducis Francorum gewesen sein? Dann freilich wäre er gegen den Willen des Hausmeiers getötet worden; vgl. MGH Ep. sel. 1, Seite 180-186 Nr 50.], zog sein Bruder Pippin mit seinem Onkel Childebrand ins nördliche Burgund, wohl um einer etwaigen Installation Grifos und seiner Partei zuvorzukommen. Da Karl Martells Erb- und Nachfolgeregelung zugunsten Grifos und dessen Versuch, das ihm zugesprochene Erbe anzutreten, das Teilungsprojekt von 735/37 umgestoßen hatten, lag es nunmehr nach Grifos vorläufigem Ausschaltung an Karlmann und Pippin , das Machterbe des Vaters gemeinsam anzutreten.

Ungeklärt ist, wie man das Angebot des Hausmeiers Pippin im Jahre 748 an seinen Halbbruder Grifo aufzufassen hat, wonach Grifo mit 12 Grafschaften in Neustrien ausgestattet werden sollte. Die sogenannten Einhardsannalen vergleichen dieses Angebot mit einer Vergabe more ducum und nannten es auch ein beneficium. Dahn Felix: Seite 473-474,478,479
*********
"Die Völkerwanderung. Germanisch-Romanische Frühgeschichte Europas." Nun steht fest, daß Bonifatius wenigstens in einem Brief an Grifo voraussetzt, daß dieser in die Lage kommen werde, das Christentum in Thüringen zu schützen. Daraus erhellt unzweifelhaft, daß, im Gegensatz zu jener Erbteilung, auch Grifo Herrschergewalt, und zwar vielleicht auch in Thüringen, erhalten sollte, denn "potestas" ist doch nicht bloß "Einfluß". Hierauf, auf ein Wort aus dem Jahre 741 selbst, ist ungleich mehr Gewicht zu legen, als auf den handgreiflich gefärbten (nach dem späteren Auftreten Swanahilds ), dieser bitter feindlichen, für Pippin blind parteischen Bericht der Metzer Annalen, wonach Karl auf Anraten Swanahilds dem Sohn Grifo einen Teil in der Mitte seines "Fürstengebietes" verliehen hat, nämlich ein Stück von Neustrien, von Austrasien und von Burgund.

Nach der einen Quelle war es Swanahild , welche Grifo anstachelte, sich nicht mit jener Abfindung zu begnügen, sondern nach dem "ganzen Reich" zu trachten. Er bemächtigte sich Laons (Laudunum) und erklärte den Brüdern den Krieg, welche ihn jedoch sehr rasch dort einschlossen und zur Übergabe zwangen, worauf ihn Karlmann nach Neufchateau (bei Luxemburg), nahe den Ardennen bringen ließ, wo er in Haft blieb, bis Karlmann die Regierung niederlegte. Nach den Annalen von Metz dagegen ergreifen die "Franken", das heißt die beiden Hausmeier, unzufrieden mit jener Belehnung Grifos, die Waffen, ihm auch diese Abfindung zu nehmen. Grifo flieht mit Swanahild nach Laon und wird hier zur Aufgabe gezwungen. Einhard wie die Metzer Annalen sind Swanahild und Grifo sehr feindlich. Es muß daher auffallen, daß letztere gleichwohl "den Franken", welche die beiden Hausmeier dann "mit sich nehmen", immerhin die Schuld des Angriffs zuschieben. Gleichzeitig hatte die offenbar ränkekundige Baierin ihre Stieftochter Hiltrud angeregt, mit Hilfe von Genosinnen über den Rhein zu fliehen und nach Baiern zu gehen, wo sie sofort gegen ihrer beiden Brüder Willen Herzog Oatilo (Odilo), Swanahilds Verwandten, heiratete.

Die Sieger begnügten sich, Swanahild in das berühmte Nonnenkloster Chelles zu verweisen, das wiederholt ähnlichen Zwecken ehrenvoller Haft gedient hatte und künftig noch dienen sollte; sie wurde sogar zur Äbtissin bestellt, aber doch gewiß auch ihr das Verlassen der Mauern untersagt; damals (741) wurde ein "avunculus" der beiden Hausmeier getötet, aber zweifelhaft bleibt, ob dieser "avunculus" jener Theudoald ist, der 741 getötet wurde, und ob dieser Theudoald jener bekannte Sohn Grimolads war, oder ein Bruder Hrothrudis '; keinesfalls wird der "avunculus" von seinem Neffen ermordet, denn Bonifatius sagt, er könne den zum Nachfolger in seinem Bistum Bestimmten nicht wohl einsetzen, da dessen Bruder den "avunculus" der Franken-Herzöge getötet habe; diese sind also mit der Tötung nicht einverstanden.

Milder geartet, wie es scheint, als Karlmann , entließ Pippin nun (nach sieben Jahren) Grifo aus der Haft, gab ihm Grafschaften und mehrere Inbegriffe fiskalischer Güter und hielt ihn im "palatium" in Ehren. Aber Grifo wollte sich dem Bruder nicht beugen, obwohl er geehrt unter ihm lebte, er scharte noch viele Edle um sich, nach eigener angemaßter Herrschaft trachtend, und floh mit ihnen über den Rhein zu den Sachsen. Ja, noch mehrere Jünglinge aus edlen fränkischen Geschlechtern fielen von ihrem rechten Herrn (das heißt Pippin ) ab und folgten Grifo (747). Erst im folgenden Jahr unternahm Pippin einen Zug gegen die Sachsen, in welchem er Grifo zur Flucht zwang. Dieser wandte sich nach Baiern, der Heimat seiner Mutter wo Herzog Oatilo am 18. Januar 748 gestorben war, er brachte dessen Witwe Hilthrud und dessen siebenjährigen Knaben Tassilo in seine Gewalt und maßte sich im Lauf des Jahres 748 die Herrschaft im Land an. Im folgenden Jahr (749) erschien Pippin , drang bis an den Inn, nahm Grifo und dessen Verbündeten, den Herzog Lantfrid von Alemannien gefangen und setzte Tassilo zum Herzog von Baiern ein. Am 11. Februar 748 hält Pippin noch Hofgericht im "palatium" zu Vern zwischen Paris und Compiegne. Der unversöhnliche Grifo , abermals begnadigt, entzog sich alsbald, noch im selben Jahr, abermals durch Flucht der Unterwerfung. Er wandte sich diesmal zu Waifar von Aquitanien . Pippin verlangte (750) die Auslieferung, begann aber, als sie verweigert wurde, keinen Krieg.

Auf dem Rückweg aus dem Sachsenfeldzug im Jahre 753, vielleicht in Bonn, erhielt der König die Nachricht, daß sein unruhiger Stiefbruder Grifo endlich zur Ruhe gekommen sei. Derselbe hatte sich von Aquitanien aus zu einem andern Gegner Pippins, zu dem Langobarden-König Aistulf, begeben wollen, dort Umtriebe gegen den König ins Werk zu setzen, war jedoch auf dem Weg bei der Stadt Maurienne an den Fluß Arche, von den beiden fränkischen Grafen Theudo von Vienne und Friedrich vom jenseitigen Jura getötet worden. Auch diese beiden Grafen aber fielen. Der Flüchtling hatte also bewaffnetes Gefolge um sich und focht scharf um sein geächtetes Leben.