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Theodelinde

nach oben (Agilolfingerzeit)

 * um 570/75
+ 22.1.628 (LThK X, 1938, S. 34)
Grab: Dom zu Monza

Vater: Garibald I.
Mutter: Walderada

1.oo Authari

2.oo Agilulf

Kinder:
1. Adaloald (*602)

2. Gundeperga

Heiratsprojekt mit dem Frankenkönig Childebert II. scheitert.

Verlobung mit Authari und Heirat (nach ihrer Flucht vor den Franken) am 15.5. 589 bei Verona.

Fredegard-Chronik: Bericht von der Heirat Theodelindes mit Authari mit dem Zusatz: "ex genere Francorum"!

Ihr Bruder Gundoald ( 616), der zusammen mit ihr nach Italien flieht, wird - von seinem Schwager zum Herzog von Asti bestellt - Stammvater von vier Generationen von Langobardenkönigen (656-712).

Nach dem frühen Tod Autharis am 5.9. 590 vermählt sich Theodelinde (? im November 590, oder 2. Sept. 590) mit Agilulf, dem arianischen Herzog von Turin, der im Mai 591 in Mailand zum Langobardenkönig erhoben wird.

Vermag dieser die königliche Autorität nach innen zu festigen, indem er erfolgreich gegen aufsässige oder unzuverlässige Langobardenherzöge vorgeht und die von Ravenna aus operierenden oströmischen Truppen kontrolliert, so ist es auch sein, aber vor allem Th.s Verdienst, im Langobardenreich die Grundlagen für den konfessionell-kulturellen, ethnischen, sozialen und rechtlichen Ausgleich zwischen Romanen und Germanen geschaffen zu haben.

Mit Papst Gregor dem Großen in freundschaftlichem Briefwechsel: "excellentissima filia nostra"
Gregor widmet ihr das 4. Buch seiner "Dialoge", das das Leben des Benedict enthält.

Theodelinde vermittelt 598 zusammen mit Gregor dem Großen zwischen Agilulf und dem oströmischen Reich einen Friedensvertrag, der zwar 602 gebrochen, 603 aber wieder verlängert wird. Wohl aufgrund ihrer heimatlichen konfessionellen Prägung fördert Th. die wegen der Drei Kapitel ebenfalls schismatische Kirche ihrer romanischen Untertanen, indem sie ihren arianisch bleibenden Gemahl zu kirchlichen Schenkungen sowie zur Privilegierung der bisher geächteten schismatischen Bischöfe bewegt und am 7.4. 603 den Kronprinzen Adaloald vom schismatischen Abt Secundus von Trient im Dom zu Monza taufen läßt. In diesem Sinn initiiert sie schon 590 in Monza die Errichtung der Basilika des hl. Johannes des Täufers, eines Vorläuferbaus des heutigen Doms, und stattet ihn mit heute noch erhaltenen Kostbarkeiten (darunter Geschenke Gregors des Großen) aus. Daneben fördert Theodelinde das kulturelle Leben, wie die verschollene Langobardengeschichte des Abtes Secundus sowie die verlorenen Bilder zur Geschichte der Langobarden in ihrem Sommerpalast zu Monza bezeugen.

Ebenso unterstützt das Königspaar Columban. Dieser gründet 612 in ihrem Territorium das Kloster Bobbio. Da der konfessionelle und ethnische Friedensprozess seit dem Tod Gregors des Großen ( 604) von schweren Rückschlägen beeinträchtigt wird, bitten beide den katholischen Abt 613 namens der Drei-Kapitel-Schismatiker um einen Brief an Papst Bonifaz IV. ( 615). Bleibt dieser auch unbeantwortet, so dürfte das Columban-Kloster unter dem Aspekt der Langzeitwirkung zusammen mit der von Theodelinde veranlassten Taufe des Kronprinzen und ihren regen Beziehungen zum Apostolischen Stuhl wesentlich zu der um 700 eingetretenen Überwindung des Schismas beigetragen haben.

Nach dem Tod Agilulfs (+ 616) führt Theodelinde für ihren minderjährigen Sohn Adaloald die Regierungsgeschäfte und greift auch nach dessen Volljährigkeit in seine allzu prokatholische und reichsfreundliche Politik ein. Dennoch erhebt sich gegen ihn eine heftige langobardische Opposition, die 626 zu seinem Sturz führt. Bald darauf stirbt Theodelinde.

Theodelinde wurde in der Johanniskirche (Dom) zu Monza in einem Marmorsarg beigesetzt.

Im 13. Jahrhundert öffnete man den Sarg. Enthalten waren in dem Sarg auch Goldschmiedearbeiten, die heute im Domschatz von Monza zu sehen sind. (Hermann Dannheimer, in: Die Bajuwaren, S. 342-347)

Henne mit den sieben Küken

Henne der TheodelindeDie späteren Deutungen der Henne mit den sieben Küken, einer spätantiken Silberschmiedearbeit (vergoldet, Rubin- und Saphireinlagen, Kupfer, vergoldet), die in Th.s Grab gefunden wurde (dies ist nicht ganz sicher), bieten einen Anhaltspunkt für die Th.-Rezeption im Raum von Monza: es ist das Bild der Landesmutter, die sich um die sieben Grafschaften ihres Königreiches sorgt, oder das der Gründerin der Hauptkirche von Monza und ihrer sieben Nebenkirchen.

In der Malerei von Monza überwiegt seit dem 13. Jh. die Darstellung Th.s als gekrönte Königin, eine ikonographische Lösung, die wohl auf eine im Domschatz von Monza erhaltene und wahrscheinlich zu Recht mit Th. verbundene spätantike Krone zurückgeht. Hinzu kommen Szenen aus ihrem Leben wie etwa die der Theodelindenkapelle des Domes von Monza (15. Jh.) oder die eines 1615 im 1. Bd. der "Bavaria Sancta" abgedruckten Kupferstichs.

Die AS erwähnen Th. am 22. Januar unter den vom allgemeinen kirchlichen Heiligenkalender übergangenen Heiligen (praetermissi). Doch wird sie vom Volk als Selige verehrt und zu ihren Ehren vom Domkapitel von Monza jährlich am 22. Januar ein Hochamt zelebriert. Ihr Grabmal in der genannten Theodelindenkapelle wird von den Gläubigen besucht.