Garibald I.AuthariTassilo I.Garibald II.Theodo I.Tassilo II.

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Agilolfingerzeit                     

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Zeitschema

Die Herkunft der Bajuwaren

Das Römerreich im Westen ging 476 zu Ende. Der Germanenfürst Odoaker setzt den letzten Westkaiser Romulus Augustulus ab.

Bei diesem Übergang vom Römischen Reich auf die Herrschaft der germanischen Völker kamen die beiden römischen Provinzen Raetien und Noricum in die Hand der Bajuwaren. Für Ufernoricum ist diese Zeit beschrieben in der Vita des hl. Severin, in der aber die "Baiern" noch nicht vorkommen.

488 gab Odoaker den Befehl, die Bewohner Noricums "aus der tagtäglich sich wiederholenden Ausplünderung durch die Barbaren" nach Italien zu führen. D.h. das offizielle Rom zog sich aus diesen Gebieten zurück.

493 Odoaker wird besiegt durch den Gotenkönig Theoderich.

Was wollte der mächtige Theoderich, der nur in dem Frankenkönig Chlodwig noch einen Gegner hatte?

Theoderich versuchte, mit den anderen germanischen Völkern in ein Bündnissystem zu kommen.

Von seinem italienischen Zentrum versuchte er, an die Traditionen des Römischen Reiches anzuknüpfen.

Hatte Odoaker die Provinzen nördlich der Alpen aufgegeben, so lagen Raetien und Noricum für Theoderich wieder in seinem Interessengebiet. Dadurch stieß er mit den Interessen des Frankenkönigs zusammen. Als dieser die Alamannen besiegt hatte, sorgte Theoderich für eine Abgrenzung in diesem Gebiet. In einem Brief (506/507) setzte er den alten raetischen Limes als Grenze. Die südlich davon wohnenden Alamannen gehörten zur Herrschaft Theoderichs. Hier etablierte sich ein Herzogtum. Das Land wurde von den Alamannen / Sueben kontrolliert.

Östlich des Lechs waren die Herrschaftsverhältnisse unklarer. Theoderich versuchte erst, mit den nördlich davon wohnenden Thüringern eine Verbindung zu schaffen (seine Nichte heiratete den Thüringerkönig).

Dann schloss er ein Bündnis mit den Herulern (Weinviertel und südliches Mähren), dessen König Rodulf er zu seinem Waffensohn machte.

508 besiegten allerdings die Langobarden die Heruler und zerstörten ihr Reich. So war Theoderich ein Bündnispartner weggefallen und in dem Gebiet zwischen Thüringern (im Norden), Goten (im Süden) entstand wieder ein Machtvakuum.

"So mag auf Initiative von Theoderich, im Zusammenwirken der Goten, Thüringer und Langobarden, ein "Volk" aus dem Land Baia in diesen Raum zwischen Donau und Alpen eine neue Herrschaft aufgerichtet haben."(Reindel, S. 60)

536 (10 Jahre nach Theoderichs Tod) gelingt es dem Frankenkönig, Raetien von den Goten zu erhalten. Bei dieser Auseinandersetzung um den Süddeutschen Raum ist die Zuwanderung eines neuen Stammes von außerhalb des Einflußbereichs einer der beiden Mächte völlig undenkbar (Störmer, S. 26).

Dieses Land Baia könnte der böhmische Kessel sein.

Herwig Wolfram weist auf die Bezeichnung "Beo-Vinidi" hin, böhmische Wenden (langobardische Quelle).(Bei Reindel, S. 60)

Wenige Jahrzehnte später werden hier die Bajuwaren genannt:

Jordanes: "ab oriente Baibaros"

Venantius Fortunatus, später Bischof von Trier, reist um 565 aus Norditalien nach Tours zum Grab des Hl. Martin. Später beschreibt er dann diese Reise (heimwärts) in einem Gedicht (Vita S. Mart. IV,640-645):

 

Si tibi barbaricos conceditur ire per amnes,
Ut placide Rhenum transcendere possis et Histrum,
Pergis ad Augustam, qua Virdo et Licca fluentant;
Illic ossa sacrae vernerabere martyris Afrae.
si vacat ire viam neque te Baiovarius obstat.
Qua vivina sedent Breonum loca, perge per Alpem.
Wenn du die barbarischen Ströme des Rheins
und der Donau ruhig überschreiten kannst,
kommst Du nach Augsburg, wo Wertach und Lech fließen.
Dort wirst du die Gebeine der hl. Afra verehren.
Wenn dann der Weg frei ist und dir nicht der Baier entgegentritt,
so ziehe durch die Alpen, wo die Wohnsitze der Breonen sind.

Dies ist nach der Erwähnung von Jordanes (551) die zweite Nennung des Volks der Baiern.

Es besteht Übereinstimmung: Östlich der Sueben sind die Baiern. Jenseits des Lechs beginnt das Land Baiern.

Der Namen

Der Name bestand sichtbar aus zwei Teilen:

"Baio" - muss der Name des Landes sein, aus dem diese Menschen kamen.
"-varii" ist zu übersetzen mit "Männer aus ...", wie oft benutzt.

Jonas von Bobbio

7. Jh., Vita des hl. Columban:
"die Bojer, die man jetzt Baiern nennt".

Die Baiern und die Kelten

 

Die Bayern und die Markomannen

Kaspar Zeuß: Das alte Keltenland Böhmen (Boiohaemum). Ein keltisches o kann sich zu einem germanischen a entwickeln. Also wird das Baiaheim zum Herkunftsort der Baiern.

Aber die keltischen Bojer haben den böhmischen Kessel bereits 60 v.Chr. verlassen. Dort hatten danach die Markomannen ein großes Reich gebildet. Auseinandersetzungen mit den Römern.
Im 5. Jh. kammen sie unter die Herrschaft der Hunnen, folgten Attila 451 nach Gallien. Dann verschwindet der Name aus der Geschichte.
Aus diesen Markomannen werden nach ihrer Auswanderung aus Böhmen dann in Baiern die Bajuwaren.

Die Baias und die Baianoi

Geograph von Ravenna: Land Baias.
Ptolemaeus' Lehrbuch des Erdkartenzeichnens: Volk der Baimoi oder Baianoi.

Die Alamannen

Übereinstimmung in Sprache und Ortsnamenbildung.
Severins Lebensbeschreibung: In Raetien haben die Alamannen eine bedeutende Rolle gespielt.

Die Langobarden

Sie hatten ihren Raum in enger Nachbarschaft zum späteren bairischen Raum, in Böhmen, in der pannonischen Ebene und schließlich im Norden Italiens.
Einer der langobardischen Fürsten hieß Agilolf.

Quaden-Sueben und Goten

 

Sagen mit historischem Kern?

Annolied:
Etwa 1100: Die Baiern sind aus Armenien gekommen.

Lebensbeschreibung von Bischof Altmann von Passau, um 1140:
Armenien als Herkunftsland der Bajuwaren.
Bavaria: Bawarus sei der Führer des Wanderzuges von Armenien nach Baiern gewesen.
Noricus: Säter habe Norix, der Sohn des Herkules, sich das Land erkämpft und ihm den Namen gegeben.

Regensburger Kaiserchronik, um 1150:
Armenien als Heimat der Baiern, eng verflochten mit der Geschichte des Römischen Reichs.
Einer ihrer Herzöge, Adelger, ist vom römischen Kaiser Severus nach Rom vergeladen worden und ihm sind dort wegen Treueverletzung die Haare und das Gesand abgeschnitten worden. Einer weiteren Vorladung ist er nicht mehr nachgekommen. Ein gegen ihn ziehendes Heer hat er bei Brixen geschlagen.

Leidensgeschichte der hl. Quirinius, letztes Viertel des 12. Jh aus Tegernsee:
Armenien oder Indien ist die Urheimat der Bajuwaren. Der Apostel Thomas hat sie für das Christentum gewonnen.
Auch die Geschichte von Adelger (jetzt: Theodo) und die baierischen Siege über das römische Heer werden bei Ötting und Buoren errungen.

Österreichische Annalengruppe, 2. Hälfte 12. Jh.:
508 hat Herzog Theodo die Baiern in ihre Heimat zurückgeführt, aus der sie vertrieben worden sind. Als Theodo vom Gotenkönig Theoderich im Auftrag des räm. Kaisern Anastasius tributpflichtig gemacht werden sollte, hat er 512 das römische Herr bei Ötting geschlagen.

Quelle: Kurt Reindel, Herkunft und Stammesbildung der Bajuwaren nach den schriftlichen Quellen, in: Die Bajuwaren, S. 56-60

 

Indizien, die zu beachten sind:

Neue Ortsnamen, die auf -ing enden, die aber nicht von der Vorbevölkerung stammen.

Der Name "Bajuwaren", der nicht aufgekommen wäre, wenn es nicht zumindest eine Gruppe gegeben hätte, die so signifikant gewesen ist, dass sie dem Volk und dem Land ihren Namen geben könnte.

 

Auch die Gräberfelder an der Donau geben Hinweise:

     

Archäologische Befunde

In der Gruppe Friedenhain/Prestovice kann man die "Männer aus Böhmen" sehen.

 

Herzöge

Die Agilolfinger waren ein frühmittelalterliches Adelsgeschlecht, das von der Mitte des 6. Jahrhunderts bis 788 die Herzogswürde in Bayern innehatte. Ihre Herkunft ist umstritten (bayrische, burgundische, langobardische Herkunft wird erwogen). Schon im 6. Jahrhundert zeigt sich eine enge Versippung der Agilolfinger mit Königsfamilien, z.B. gab es enge Familienallianzen zwischen Herzögen von Bayern und dem langobardischen Königshaus.

Herzog Garibald I. von Bayern (ca. 550 - 590)

(dort wird auch die politische Dynamik beschrieben)

Langobarden (→Langobarden)

Garibalds katholische Tochter Theodelinde heiratet den Langobardenkönig Authari (nach 584; 589)

Neben diese langobardische Politik tritt eine frühe SO-Alpenpolitik gegen Slawen, Bulgaren, dann Awaren, die vom fränkischen Königtum mitbestimmt wurde.

624 kommt ein Agilolfinger, der austrasische Große Chrodoald, in Konflikt mit Bischof Arnulf von Metz und Pippin dem Älteren. Dieser Konflikt mit den karolingischen Hausmeiern und späteren Königen bestimmt besonders die Geschichte der Agilolfinger im 8. Jahrhundert.

Selbstverständnis

Auch wenn die Agilolfinger den Titel eines rex nie dezidiert angestrebt hatten, so stellten sie doch ein königliches Selbstverständnis zur Schau, das sich auf reichen Grundbesitz, die Anerkennung durch die bayerischen Adeligen, die Lex Baiuvariorum und eine vor allem seit 739 feste kirchliche Organisation stützte; durch Eheverbindungen mit den Franken und Langobarden überragten sie daher die Karolinger zwar nicht an Macht, aber an Adel – zumindest bis 751. Diese Gleichrangigkeit an Macht von Agilolfingern und Karolingern änderte sich erst mit dem Königtum Pippins und Karls. Gerade in dieser Zeit aber strebten die Agilolfinger nach einem Erhalt der Macht und demonstrierten ihre herausragende Stellung:
Tassilo verwendete etwa häufig Epitheta wie "vir illustris" (Durchlaucht) oder "illustrissimus" zu seinem Herzogstitel;
mit dux Baiuvariorum verwendete er ein gentiles Prädikat analog zum karolingischen rex Francorum-Titel.
Die Charakterisierung als (summus) princeps findet sich sonst nur bei den römischen Kaisern, den Merowingern und den karolingischen Hausmeiern.
Mit dem Salzburger Dombauprojekt wird in Baiern eine Kirche vom Rang von St. Denis errichtet.


Nach 772 verschlechterte sich das Verhältnis zu Karl kontinuierlich. (Franz-Reiner Erkens, in: Tassilo III.)

591 Friedenschluss zwischen Franken und Langobarden
592 Einsetzung des Herzogs Tassilo I. durch den Frankenkönig.
        Die Bajuwaren besiegen die Slaven
610 Garibald II.
640 - 680 Theodo I.
680 Bajuwarischer Grenzgraf in Bozen erwähnt
680 - 717 Tassilo II.
717 - 724 Theodbert

727-737 Herzog Hucbert / Hugibert
737-748/749 Herzog Odilo Der den alamannischen Agilolfingern entstammende bayerische Herzog Odilo setzte - offenbar mit Hilfe Swanahilts - die Politik Theodos systematisch fort und realisierte 739 die bayerische Diözesanteilung (Diskussion zur Einschätzung der Missionstätigkeit), wurde aber 743 von seinen Schwägern Pippin und Karlmann empfindlich geschlagen. 748-788 Herzog Tassilo III. Sein Sohn Tassilo III. versuchte trotz starker vertraglicher Bindungen an die Karolinger noch einmal "klassische" Agilolfinger-Politik zu treiben, musste sich aber schließlich seinem Vetter, König Karl dem Großen, 788 unterwerfen, der die Überlebenden der Dynastie ins Kloster schickte und das Herzogtum aufhob. Zwischen 755 und 760: Landessynode mit Landtag in Aschheim 769 Landessynode mit Landtag in Dingolfing
sek. Literatur
Sepp, B.: Die bayerischen Herzöge aus dem Geschlecht der Agilulfinger, Oberbayer. Archiv 50,1897
Zöllner, E.: Die Herkunft der Agilulfinger, Zur Gesch. der Bayern, 1965
Goez, W.: Über die Anfänge der Agilulfinger, Jb. für frk. Landesforsch. 34/35, 1975,145ff.

Charakteristika

(Hubensteiner S. 29ff)

Als Reichtum wird Besitz von Grund und Boden angesehen.

Das Volk gliedert sich in vier Geburtsstände:
Geschlechtsadel (genealogiae) - Freie (liberi) - Freigelassene (frilaza) - Knechte (servi)
Zum Geschlechtsadel gehören: die Agilolfinger, die fünf Adelsgeschlechter: Huosi, Fagana, Hahilinga, Drozza und Anniona.
Aus diesen Gruppen verschmelzen der Geschlechtsadel und die Freien einerseits zur Schicht der Nobiles, Edlingen (Bezeichnung seit 765). Sie sind die Großgrundbesitzer.
Andererseits die Freigelassenen und die Knechte, die als Leibeigene Dienst taten oder Zinsland bewirtschafteten. Das Zinsland überwog bei weitem.
Das Privateigentum setzt sich schon zur Zeit der Stammesbildung durch.

Das Bild wird nicht von Sippenverbänden oder Markgenossenschaften bestimmt, sondern von den großen Grundherrn. Die -ing-Orte leiten
ihre Namen von den Grundherren ab.
Eine Fülle von Ortsnamen zeigen die hohe Verbundenheit mit dem Boden.
Die Größe eines mittleren Bauerngutes ist heute noch die gleiche wie in den frühesten Zeiten.

Jagd und Hunde: Siehe: Jagd

Orte

Nordgau:

Ingolstadt
Lauterhofen

Donaugebiet:

Aiterhofen
Osterhofen

Isargebiet:

Aschheim
Neuching
Dingolfing
Reisbach

Inn-Salzach-Gebiet:

Aibling
Ötting
Ranshofen
Ostermiething
Mattighofen

 

Altenmarkt

Kunst- und Bauwerke

Tassilo-Kelch

Tassilo-Leuchter.
Zur Frage des Szepters: Adolf Gaubert, Das Zepter Tassilos III. (DA 18) 1962, 214-223;

Ruperts-Kreuz

ca. 690 St.-Georgs-Basilika auf dem Boden des späteren St.-Emmerans-Kloster in Regensburg

Torhalle auf Frauenchiemsee

Literatur

723-783 Arbeo, Bischof von Freising, schreibt den Abrogans, Biographien der Heiligen Emmeram und Korbinian

Zwischen 739 und 743 Lex Bajuwariorum niedergeschrieben

um 765: Der Abrogans

778 Die Nonne Hugeburc schreibt die Biographie des Bischofs Willlibald von Eichstätt

vor 800 Wessobrunner Gebet Muspilli

Salzburger Raum:

Rupertsvita

Salzburger Güterverzeichnissen (Notitia Arnonis von 788/90)

Breves Notitiae von 798/800

Carmina Salisburgensia (frühkarolingische „Gebrauchspoesie“, etwa Epitaphien, ein Dankgedicht Ludwigs des Frommen, zwei Monatsgedichte)

Briefwechsel Erzbischof Arns von Salzburg mit Alkuin

Conversio Bagoariorum et Carantanorum

Brief des Salzburger Erzbischofs Theotmar (um 900)

 

Besonders Mondsee wies seit dem Ausgang der Regierungszeit Herzog Odilos ein namhaftes Skriptorium auf,
Andere Skriptorien: Salzburg, Freising, Benediktbeuern

Vorliebe für bestimmte Autoren: Hieronymus und Isidor wurden häufig abgeschrieben, kaum Augustinus; vor allem in Freising habe man sehr gerne Florilegien angelegt (s. Maximilian Diesenberger, Die Handschriftenproduktion der späten Agilolfingerzeit, in: Tassilo III.).

Bewertung

Prinz, S.69-71:

Am Schluß der Agilolfingerzeit ist Bayern eine der blühendsten Klosterlandschaften Europas (vergleichbar nur dem Pariser Becken). Mehr als die Hälfte des Landes ist noch 1803 in klösterlichem Besitz. Das Land wird durch das Mönchtum und seine Kultur tief und nachhaltig geprägt. Bis heute spürbar in Erziehung, Volksfrömmigkeit und farbenreicher Festkultur.

So schon: Hubensteiner.

Die Agilolfingerzeit hat Bayern zu einer "genuinen Einheit" geformt.