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Matthias Flothow
dumii@web.de

Ludwig der Deutsche

Vorgänger: Ludwig der Fromme 840
Nachfolger: Karlmann 876


*806 (810?)

 

840-876

"König der Bayern und der angrenzenden Gebiete" (Titel nachweisbar 817-833)

843 Vertrag von Verdun

   

Otfrid von Weißenburg widmete Ludwig sein deutsches Evangelienbuch.

In zeitgenössischen Quellen aus Westfranken wurde er gelegentlich als „rex Germanorum“ oder „rex Germaniae“ apostrophiert. Dieser Sachverhalt erfuhr im 19. Jahrhundert eine verfrühte nationalgeschichtliche Umdeutung, die Ludwig den Beinamen „der Deutsche“ einbrachte. Der Beiname selbst tauchte schon/erst im 18. Jahrhundert auf.

 

 

Extrem lange Regierungszeit von 50 Jahren.

Wenn der Vertrag von Verdun nicht mehr als Beginn der deutschen Nationalgeschichte angesehen wird, dann öffnet sich der Blick für die Frage, ob in der Zeit Ludwigs ein Gefühl der eigenen Identität verschiedener Volksgruppen zu erkennen ist.

 

 Begeisterung für Waffen, besondere Fähigkeit mit Menschen umzugehen,

Große Frömmigkeit und Interesse an theologischen Diskussionen.

 

Rebellion der Brüder Lothar I., Pippin von Aquitanien und Ludwigs der Deutsche gegen den Vater Ludwig den Frommen seit 829 und für die nachfolgenden Bruderkriege. In den schwierigen 860er Jahren erlebte Ludwig der Deutsche dann selbst den Aufstand erst seines ältesten Sohnes Karlmann, später auch der jüngeren Söhne Ludwig (der Jüngere) und Karl (III.).

Bereits 865 soll Ludwig der Deutsche die Aufteilung des Reichs unter seinen Söhnen festgelegt haben, was allerdings zu neuerlichen Rebellionen führte. Zu seinen Lebzeiten erhob Ludwig der Deutsche seine drei Söhne nicht zu Mitkönigen.

870: Gefangennahme Methods in Regensburg. (Beschreibung bei Prinz, S. 73ff)

In der Langmut, mit der Ludwig der Deutsche - anders als sein Halbbruder Karl der Kahle - seinen aufständischen Söhnen begegnete, erkennt Hartmann einen deutlichen Wandel im Umgang mit rebellierenden Verwandten in einer Zeit, in der Rebellionen von Königssöhnen ohnehin als "normal" zu betrachten seien (S. 76).

Konstituierend für die inneren Verhältnisse des ostfränkischen Reichs waren die in den verschiedenen Reichsteilen ansässigen Volksgruppen der Baiern, Franken, Alemannen, Thüringer und Sachsen. Wichtige Basis der Macht bildete Baiern mit der urbs regia Regensburg, die Ludwig seit 817 nominell und seit 826 tatsächlich beherrschte. Dementsprechend häufig ist Ludwig von 826 bis zu seinem Tod 876 dort (auch nachzuweisen: Von 172 echten Urkunden Ludwigs sind allein 52 an bairische Empfänger gerichtet. Insgesamt lassen sich für Regensburg 34 und für Frankfurt - im reichspolitisch bedeutenden Rhein-Main-Gebiet - 49 Aufenthalte nachweisen.) Dies spricht für eine persönliche Ausübung der Herrschaft, während Ludwig in Alemannien, Thüringen und Sachsen auf verlässliche Gefolgsleute vor Ort angewiesen war.

Sollte sich in diesen Reichsgebieten tatsächlich während der Regierungszeit Ludwigs ein überregionales, ostfränkisches "Wir-Gefühl" entwickelt haben, so setzt dies eine innere Geschlossenheit der einzelnen Völker voraus. Nachrichten von Zwistigkeiten zwischen den Völkern seien geradezu als Beleg für das entstehende Zusammengehörigkeitsgefühl zu werten. (Hartmann)

Wenn die Annales Fuldenses erst nach 870 von Konflikten zwischen den Volksgruppen zeugen, "könnte dies sogar als Anzeichen dafür gewertet werden, dass erst von diesem Zeitpunkt an den Historiographen diese Gegensätze bewusst geworden sind, weil sie in dieser Zeit eher mit einem bereits gewachsenen Gemeinschaftsgefühl rechneten".

Kultur- und Bildungsstand

Ludwig war literarisch gebildet, konnte Latein,

 stand mit Hinkmar von Reims in Schriftverkehr über dessen Bibelauslegung.

Die besondere Förderung des volkssprachlichen Schrifttums

Den allgemein angenommenen Niedergang des Schrifttums während der Regierungszeit Ludwigs des Deutschen bestreitet Hartmann, das Ostfrankenreich konnte im Gegenteil eine Reihe bedeutender Gelehrter (Hrabanus Maurus u.a.) und Klosterschulen (Fulda, St. Gallen, Reichenau u.a.) aufweisen. Von ca. 7000 bis 8000 Handschriften des 9. Jahrhunderts stammen immerhin ca. 3000 aus dem Ostfrankenreich (S. 235). Jedoch nahm die Schriftlichkeit in Verwaltung und Regierung deutlich ab, dies "weist bereits in die Ottonenzeit voraus" (S. 255).

Auch Architektur und Buchkunst zeugen von einer gar nicht so geringen kulturellen Produktivität. Ja, selbst die Wirtschaftslage des Ostfrankenreichs sei nicht so desolat wie in der Forschung angenommen.

Lebensleistung

Ludwigs gelang es weder, sein Reich zu erweitern, noch die Feinde aus dem Osten (Sorben, Böhmen, Mährer) vernichtend zu schlagen. Nach dem Kampf um sein Reich gegen Brüder und Vater hatte Ludwig eine schwere innere Krise zu bewältigen, ausgelöst durch seinen gescheiterten Übergriff auf das westfränkische Reich Karls des Kahlen im Winter 858/859.

Zu Konflikten mit den ostfränkischen Reichsgroßen gesellte sich die Rebellion der Söhne. Erst 870 konnte Ludwig wieder in die Offensive gehen und erfolgreich Ansprüche auf das Erbe seines Neffen, des westfränkischen Königs Lothar II., geltend machen.

872/873 erfreute er sich dann der Aufmerksamkeit von Gesandten des oströmischen Kaisers.

Das Wettrennen um die Kaiserkrone entschied 875 Karl der Kahle für sich, Ludwig der Deutsche erfuhr aber durch das Auftauchen des Titels Imperator in einigen Dokumenten klösterlicher Provenienz eine Aufwertung seiner herrscherlichen Würden.

Die lange Regierungszeit Ludwigs hat entscheidend zur Herausbildung eines Zusammengehörigkeitsgefühls der ostfränkischen Völker geführt. So teilte Ludwig sein Reich zwar unter seinen drei Söhnen, aber er hat versucht, seinen ältesten Sohn Karlmann zum Alleinerben zu machen. Dies ist jedoch am Widerstand der jüngeren Söhne gescheitert.

Einen Beleg für das wachsende Wir-Bewusstsein könnte man in der Schlacht bei Andernach nach Ludwigs Tod 876 sehen, einer gemeinsamen Aktion der ostfränkischen Völker gegen den Westfranken Karl den Kahlen.

887 führte eine ähnliche Aktion gegen den seit 885 gesamtfränkischen Herrscher Karl III. zum ostfränkischen Reich Arnulfs von Kärnten. "Daher kann es auch nicht erstaunen, dass nach dem Aussterben der ostfränkischen Karolinger 911 diese Völker wieder einen gemeinsamen König erhoben haben, nach dessen Scheitern und Ende es 919 abermals nicht zu einer Auflösung dieses Reichs kam, sondern zur Erhebung des Sachsenherzogs Heinrich, unter dessen Regierung das Zusammenwachsen der Völker zum werdenden "deutschen" Reich einen weiteren wesentlichen Schritt voran kam."

Literatur: Wilfried Hartmann, Ludwig der Deutsche, 2002, dazu: Andrea Esmyol: Rezension, in: H-Soz-u-Kult, 11.02.2003, <http://hsozkult.geschichte.hu-berlin.de/rezensionen/2003-1-079>(19.9.2011).


 

oo  827

 Hemma

(jüngere Schwester seiner Stiefmutter, der Kaiserin Judith)

1. Hildegard (* 828; † 856/59), Äbtissin in der Abtei Münsterschwarzach von 844 bis 853/57 dann in der Abtei Fraumünster in Zürich 853 bis 856/59

2. Karlmann (* vermutlich 830; † 29. November 880 in Altötting), Unterkönig in Bayern ab 865 und nach 876, König von Italien 877–879

3. Ludwig III. der Jüngere (* um 835 ; † 20. Januar 882 in Frankfurt am Main), Unterkönig in Franken, Sachsen und Thüringen ab 865 und nach 876, Unterkönig in Bayern ab 879

4. Karl III. der Dicke (* 839; † 13. Januar 888 in Neudingen), Unterkönig in Alemannien (Schwaben) ab 865 und nach 876, König von Italien ab 879, römischer Kaiser 881, ostfränkischer König 882, westfränkischer König 885

5. Irmgard bzw. Irmengard (* um 830/833 in Regensburg; † 16. Juli 866 in Frauenchiemsee), Äbtissin im Benediktinerinnenkloster Frauenchiemsee vor 857 bis vermutl. 866

6. Bertha († 26. März 877), Äbtissin in der Abtei Münsterschwarzach von 853/857 bis 877 und in der Fraumünsterabtei in Zürich 857 bis 877, sowie dem Damenstift Säckingen bis 877

7. Gisela (Lebensdaten unbekannt)