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Matthias Flothow
dumii@web.de

Herzog Arnulf

Vorgänger: Markgraf Luitpold 907
Nachfolger: Eberhard 937
Vor Habsburg


Herzog von Bayern 907 - 937

  1. Eberhard, (* um 912, † um 940?), 937–938 Herzog von Bayern, abgesetzt
  2. Arnulf
  3. Hermann
  4. Ludwig (* um 930, † nach 974)
  5. Judith (* 925, † 29. Juni bald nach 981) oo Heinrich I. von Bayern
  6. Tochter
  7. Berthold († 954), Graf im Nordgau (Schweinfurt)
  8. N. (Heinrich?)
    1. Luitpold I. († 994), – Nachfahren: Die Babenberger

 

 

Es herrscht die Meinung, dass das Königtum nicht in der Lage ist, den nötigen Schutz gegen äußere Feinde zu gewährleisten. Bischof Salomon von Konstanz: "Weh dem Lande, dessen König ein Kind ist!"(Doeberl 1, S. 107)

909 Arnulf siegt über die Ungarn an der Rott. Das gibt ihm Legitimation!

Arnulf wurde nicht gewählt, aber auch ohne königliche Mitwirkung beanspruchte er seine Macht: "divina ordinante potentia dux Baiuvariorum et etiam adjacentium regionum".
Schon 908 "divina favente gratia dux Baiovariorum necnon adjacentium regionum""Von Gottes Gnaden Herzog der Bayern und der angrenzenden Gebiete". Die Reichskanzlei nannte ihn nach wie vor comes. Aus dem militärischen Amt des dux, des Anführers großer Truppenkörper, entwickelte sich das neue Amt des jüngeren Stammesherzogtum. (Kraus 54)

Die Reichsregierung ließ die Dinge geschehen, die sie nicht hindern konnte.

Die Bischöfe aber fürchteten um ihr weltliches Kirchengut und um die Einheit der Kirche. Aus der ehemals landeskirchlichen Organisation war inzwischen eine Reichskirche geworden.  Der heißblütige Franke Konrad I. erklärte der Herzogsgewalt den Kampf.

Sämtliche Bischöfe standen auf der Seite der Krone. Dass bischöfliche Truppen an der Verwüstung des Landes teilgenommen haben, wird den Bayern noch lange in Erinnerung bleiben.

Arnulf hatte beim niederen Volk seinen Rückhalt, umso mehr, als er nochmals 913 die Ungarn am Inn besiegte.

Die Lieder der Zeit nehmen stets gegen den König und die Bischöfe Partei.
fragmentum de Arnulfo duce, vermutlich von einem Mönch von St. Emmeran, dem ersten Vertreter des bayerischen Partikularismus: "Gloriosus dux noster Arnulfus virtute es alto indutus, fortitudine vlarus et victoria enituit eximius, quia de progenie imperatorum et refum est ortus et per ipsum populus Christianus de saevienti gladio paganorum est redemptus et in libertatem vitae translatus."

Säkularisation

Arnulf brauchte für seine Kämpfe gegen Ungarn und König einer stets verfügbaren Reiterei. Um die weltlichen Großen zur Ausrüstung einer solchen Reiterei instand zu setzen, mussten sie entlohnt werden. Dafür war die Verfügung über Grund und Boden nötig. Arnulf sah das Kirchengut als Möglichkeit au, das ohnehin zu einem guten Teil herzoglichen Ursprungs war.

Das vom Herzog säkularisierte Kirchengut ging (zum Teil zumindest) als Lehen in die Nutznießung der bayerischen Großen über.

Mit Arnulf beginnt der Dienst zu Perd den Dienst zu Fuß zurückzudrängen.

Folgen:

1. Der Herzog hat herzogliche Kammergüter, die ihm Rückhalt im Land sind (wie die Reichsdomänen für den Kaiser). Auf Grund der Belehung mit solchen Gütern wurden Grafen, Markgrafen usw. Lehensmänner des Herzogs. Auch deren Aftervasallen blieben dem Herzogtum verpflichtet.

 2. Die Klöster wurden arm. Tegernsee hatte nur noch 114 Hufen. Viele Kläster gaben ein oder 2 Jahrhunderte kein Lebenszeichen mehr von sich: Altomünster, Ilmmünster, Isen, Münchsmünster, Osterhofen, Schliersee, Schlehdorf. Andere gingen für immer unter. Tegernseer Aufzeichnungen: In ganz Bayern hat damals der Mönchstand aufgehört.

Nachwirkung:

Von Arnulf blieb nur für die zeitlich nahestehenden Verfasser die Anerkennung und Freude über seine Ruhmestaten gegenüber den Ungarn durch dessen politisch notwendige Säkularisation erhalten.

Spätere Generationen verloren über dem Eindruck der Säkularisation die Verdienste des Herzogs im Kampf gegen die Ungarn aus dem Gedächtnis.(Doeberl 1, S. 111, der darauf hinweist, dass dieses Schicksal auch Karl Martell hatte, dessen glorreicher Kampf gegen die Araber in Vergessenheit geriet über dem Gedächtnis an seine kirchlichen Eingriffe).

914-916 König Konrad vertreibt Herzog Arnulf

916 Synode von Hohenaltheim

917 Arnulf erobert Bayern zurück und vertreibt Eberhard von Franken.

918 Arnulf siegt über die Ungarn

Vertrag von Regensburg 921

In diesem Vertrag erkennt Arnulf den König Heinrich I. an und leistet den Vasalleneid.
Gleichzeitig gewährt Heinrich I. dem Bayernherzog volle Autonomie im Innern einschließlich der Besetzung der Bistümer. Er beläßt ihm auch das Recht selbständiger Kriegsführung, nur nicht gegen den König.

Bayern wird das größte Maß von Selbständigkeit gewährt. Arnulf nennt sein Herzogtum "regnum" (wie Agilolfinger) und zählt seine Regierungsakt nach den Jahren seiner Regierung.

Quelle: "fragmentum de Arnulfo duce"

Lit: Ludwig Holzfurtner, 14. Juli 937. Der Tod Herzog Arnulfs von Bayern, in: Jahr und Tag, S. 75-91