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Matthias Flothow
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Heinrich VIII. (Kaiser Heinrich IV.)

Vorgänger: Konrad I. von Zütphen. 1053
Nachfolger: Konrad II. 1054


 

Kinder:

Agnes

1. oo Friedrich I. von Schwaben, Sohn: Konrad III.

2. oo Luitpold III.

 

Nach der Chronik Frutolfs von Michelsberg (der Kaiser Heinrich IV. Objektivität bescheinigte) begann bereits der junge König "die Fürsten zu mißachten, den Adel zu unterdrücken, die Niederen zu eheben, sich mehr der Jagd und dem Spiel als der Rechtsprechung zu widmen".

Schon seit 1053 deutscher König, wurde er 1084 zum Kaiser gekrönt.

Er widersetzte sich den Macht- und Herrschaftsansprüchen des Papstes Gregor VII. und den Eigeninteressen der deutschen Herzöge.

Im Januar 1076 sandte Heinrich IV. an Gregor das Schreiben, mit dem er ihn absetzt:

Heinrich, nicht durch Anmaßung, sondern durch Gottes gerechte Anordnung
König, an Hildebrand, nicht mehr Papst, sondern falscher Mönch.
[...] Du scheutest dich nicht nur nicht, die Lenker der heiligen Kirche, nämlich Erzbischöfe, Bischöfe und Priester, die doch Gesalbte des Herrn sind, anzutasten, nein, wie Knechte, die nicht wissen, was ihr Herr tut,
zertratest du sie unter deinen Füßen und gewannst dir dabei die Zustimmung aus dem Munde des Pöbels. [...] Aber du hast unsere Demut für
Furcht gehalten und dich daher nicht gescheut, dich sogar gegen die uns
von Gott verliehene königliche Gewalt zu erheben; du hast zu drohen gewagt, du würdest sie uns nehmen, als ob in deiner und nicht in Gottes
Hand Königs- und Kaiserherrschaft lägen. [...] So steige du denn, der du
durch diesen Fluch und das Urteil aller unserer Bischöfe und unser eigenes verdammt bist, herab, verlasse den apostolischen Stuhl, den du dir angemaßt hast. [...]
Ich, Heinrich, durch die Gnade Gottes König, sage dir zusammen mit allen meinen Bischöfen: Steige herab, steige herab!
H. non usurpative, sed pia dei ordinatione rex Hildebrando iam non apostolico, sed falso monacho.
Hanc talem pro confusione tua salutationem promeruisti, qui nullum in ecclesia ordinem preteristi, quem confusionis, non honoris, maledictionis, non benedictionis, participem non feceris.
Ut enim de multis pauca et egregia loquamur: rectores sanctae ecclesiae videlicet archiepiscopos episcopos presbiteros, non modo non tangere, sicut christos domini, timuisti, quin sicut servos, nescientes quid faciat domnus eorum, sub pedibus tuis calcasti. In quorum conculcatione tibi favorem ab ore vulgi comparasti. Quos omnes nichil scire, te autem ||S. 16|| solum omnia nosse iudicasti; qua utique scientia non ad aedificationem, sed ad destructionem uti studuisti, ut iure hoc beatum Gregorium, cuius nomen tibi vendicasti, de te prophetasse credamus sic dicentem: Ex affluentia subiectorum plerumque animus prelati extollitur et estimat se plus omnibus nosse, cum se videt plus omnibus posse.
Et nos quidem haec omnia sustinuimus, dum apostolicae sedis honorem servare studuimus. Sed tu humilitatem nostram timorem fore intellexisti ideoque et in ipsam regiam potestatem nobis a deo concessam exurgere non timuisti, quam te nobis auferre ausus es minari: quasi nos a te regnum acceperimus, quasi in tua et non in dei manu sit regnum vel imperium.
Qui dominus noster Iesus Christus nos ad regnum, te autem non vocavit ad sacerdotium.
Tu enim his gradibus ascendisti: scilicet astutia - quod monachica professio abhominabatur - pecuniam, pecunia favorem, favore ferrum, ferro sedem pacis adisti et de sede pacis pacem turbasti, dum subditos in prelatos armasti, dum episcopos nostros a deo vocatos tu non vocatus spernendos docuisti, dum laicis ministerium eorum super sacerdotes usurpasti, ut ipsi deponant vel condempnent, qui ipsos a manu domini per impositionem manuum episcoporum docendos acceperant.
Me quoque, qui licet indignus inter christos ad regnum sum unctus, tetigisti, quem sanctorum patrum traditio soli deo iudicandum docuit nec pro aliquo crimine, nisi a fide, quod absit, exorbitaverim, deponendum asseruit; cum etiam Iulianum apostatam prudentia sanctorum episcoporum non sibi, sed soli deo iudicandum deponendumque com||S. 17||miserit. Ipse quoque verus papa beatus Petrus clamat: Deum timete, regem honorificate; tu autem, quia deum non times, me constitutum eius inhonoras.
Unde beatus Paulus, ubi angelo de caelo, alia si predicaverit, non pepercit, te quoque in terris alia docentem non excepit. Ait enim: Si quis vel ego vel angelus e caelo preter id, quod evangelizavimus vobis, evangelizaverit, anathema sit. Tu ergo hoc anathemate et omnium episcoporum nostrorum iudicio et nostro dampnatus descende, vendicatam sedem apostolicam relinque. Alius in solium beati Petri ascendat, qui nulla violentiam religione palliet, sed beati Petri sanam doctrinam doceat.
Ego, H. dei gratia rex cum omnibus episcopis nostris tibi dicimus: descende, descende!

 

Gregor VII. exkommunizierte ihn im Februar 1076.

„Heiliger Petrus, du Fürst der Apostel, wir flehen dich an, neige uns gnädig dein Ohr und höre mich, deinen Knecht, an, den du von Kindesbeinen an genährt und bis zu diesem Tage aus der Hand der Gottlosen gerettet hast,
die mich um deiner Treue willen gehasst haben und noch hassen.
[...] Und es ist mir durch deine Gnade von Gott die Macht gegeben zu binden und zu lösen im Himmel und auf Erden. Hierauf fest vertrauend untersage ich [...] dem König Heinrich, dem Sohne des Kaisers Heinrich, der sich gegen deine Kirche in unerhörtem Stolze erhoben hat, die Herrschaft über das ganze Reich der Deutschen und über Italien, und ich löse alle Christen von den Banden des Eides, den sie ihm geschworen haben oder noch schwören werden, und ich verbiete, dass ihm jemand wie seinem König dient. [...] Denn mit Gebannten hat er verkehrt, meine Ermahnungen, die ich ihm, wofür du mein Zeuge bist, um seines Seelenheiles willen gesandt habe, hat er in den Wind geschlagen, und er hat sich von deiner Kirche getrennt, weil er sie zu spalten versucht hat, schlage ich ihm an
deiner Statt mit dem Bande des Anathems.“

Um die Exkommunikation rückgängig zu machen, ging Heinrich IV. nach Canossa.

Heinrich sah in der Erhaltung des Erbrechts der Krone einen auf Dauer stabilisierenden Faktor.

 

Heinrich V. (1081 bis 1125) wird 1089 zum König gewählt, 1111 zum Kaiser gekrönt. Nachdem er den Anschluß an das Papsttum und die kirchlichen Parteiungen gesucht hat, erhebt er sich gegen seinen Vater und läßt diesen 1105 sogar hinterhältig gefangennehmen. Dem Vater gelingt die Flucht, er sammelt ein Heer, das die Streitmacht seines Sohnes schlagen kann. Kurz darauf stirbt er jedoch in Lüttich.

Von Kaiser Heinrich IV. sind eine Fülle von Briefen überliefert. Er macht das Briefeschreiben zu einem Mittel seiner Politik.

Aus den letzten Monaten hier ein Brief von Heinrich IV. an seinen Sohn Heinrich V.:

"Wenn ich dich, meinen vielgeliebten Sohn, frage, ob man mehr den Menschensatzungen oder dem Gebot Gottes sgehorchen müsse, so wirst du mir - wenn du nicht völlig von der Wahrheit abgefallen bist - antworten, der gleiche dem Vieh, der nicht das Himmlische dem Irdischen, das Göttliche dem Menschlichen vorzieht. Warum hörst du dann mehr auf jene, die dir zuflüstern: "Verfolge deinen Vater!" als auf Gottes Wort: "Ehre deinen Vater!"? Sie führen dich in Irrtum, nicht zur wahren Lehre, sie sorgen nicht für deine Ehre, sie neiden sie dir nur: unter dem Scheine der Treue legen sie dir die Schlingen der Untreue. Einzig durch die Vernichtung meiner Ehre konnten sie auch die deine untergraben. Mochte mich immerhin, wie meine Widersacher wähnen, Gott wegen meiner Sünden vom Throne stürzen, du hättest dazu nie deine Hand bieten, mir nie das Reich, das ich dir bereitete, vor der Zeit entreißen dürfen.

Barbarenvölker verurteilen und verfluchen ein so unmenschliches Verbrechen, selbst die Heiden schrecken davor zurück, und jene, die Gott nicht kennen, wissen, was sie der Natur an Menschenliebe schulden. Doch es ist kein Wunder, dass böswillige Einflüsterungen die unreife, leicht verführbare Jugend zu täuschen verstand; denn schlimmer Rat vermag zuweilen selbst den festen Sinn von Freisen zum Bösen zu verleiten. Mein Geschick ist mehr die Folge fremder Verbrechen als des deinen, weil du in den Händen deiner Berater und nicht sie in den deinen waren. Wenn du aber noch weiteres Unrecht tust, so kannst du nimmer entschuldigt werden, nachdem du weußt, daß, was geschehen, ein Frevel ist, und du, was noch nicht geschehen, unterlassen kannst.

Ich habe auch gehört, du habest beschlossen, Ostern in Lüttich zu feiern, wo mich der treue und fromme Bischof aufgenommen hat, als sich niemand meiner Wohltaten erinnerte, niemand mit meinem Unglücke Mitleid hatte. Seine mir erwiesenen Wohltaten solltest du mit königlicher Freigebigkeit belohnen. Du kannst seiner Treue um so sicherer sein, je mehr er sie gegen mich bewiesen. Er ist auch entschlossen, wenn er nicht dich in seinem Hause aufnimmt, mich während der Ostertage bei sich zu behalten. Doch du sagst, dieses Fest sollte uns eher vereinigen als trennen, du willst, du wünschest, dass ich hier mit dir zwsammen die Osterfreude genieße. Auch ich sehnte mich danach gar sehr, wäre nicht Anlaß zur Furcht gegeben. Denn ich muß doch jenen mißtrauen, die es reut, mir das Leben gelassen zu haben, als in ihrer Hand mein Tod und Leben lag. Alles flüpt mir Verdacht, alles Besorgnis ein, am meisten aber eine zahlreiche Menge, bei der man sich um so weniger gegen eine Gefahr sichern kann, je größer durch sie die Gelegenheit zu einem Verbrechen ist. Deshalb entwich ich auch so weit vor meinen Hassern und habe mich an die äußerste Grenze deines Reiches zurückgezogen, damit mich die große Entfernung schirme, oder wenn mich die Not zwingt, in der Fremde edle Menschen aufzusuchen, ich um so schneller aus deinem Gebiete fliehen kann.

Ich bitte dich also, daß du mit Rücksicht auf deinen Vater zu Ostern an einem anderen Orte Hof haltest, und daß du mich nicht als Kaiser, sondern nur als Gast in dem Hause des Mannes verweilen lässest, der mich in reiner Menschenliebe aufgenommen hat. Sorge dafür, daß man sich nicht mir zum Hohne und dir zur Schmach erzähle, mein Unglück habe mich selbst an dem Hochfeste der Auferstehung des Herrn gezwungen, eine unsichere Herberge zu suchen. Tust du, um was ich dich bitte, so bin ich dir von Herzen dankbar; wenn nicht, so will ich lieber als Bettler in fremden Landen verweilen, als in dem Reiche, das einst mein war, ein Gegenstand des Spottes sein.

Quelle: Johannes Bühler, Das Leben Kaiser Heinrichs IV., Leipzig 1921

 

Heinrich IV. übergibt die Insignien an Heinrich V.. Aus der Chronik des Ekkehart von Aura.
Der konfliktgeladene Übergang der Herrschaft wird hier als ruhige Handlung dargestellt.


Aus der Frutolfschronik