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Matthias Flothow
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Lex Baiuvariorum

IN NOMINE DOMINI NOSTRI JESU CHRISTI INCIPIT PROLOGUS LEGIS BAIUVARIORUM

(dt.:) Moses vom Volke der Hebräer hat als erster von allen die göttlichen Gesetze in der Heiligen Schrift erläutert. Soroneus, der König, hat zuerst für die Griechen Gesetze und Gerichte angeordnet. Merkurius Trimegistus hat zuerst den Ägyptern Gesetze gegeben. Solon ..., Likurg ..., Numa Pompilius ..., 10 Männer ..., Pompejus ... Cäsar ....

Allmählich aber kamen die alten Gesetze wegen ihres Alters und aus Sorglosigkeit in Abgang, die zu kennen, wenngleich sie nicht mehr in Übung sind, doch notwendig erscheint. Die neuen Gesetze finden mit Kaiser Konstantin und seinen Nachfolgern an, waren aber noch sehr buntgewürfelt und ungeordnet. ... Theodosius der Jüngere ..., Codex Theodosianus...

Theoderich, ein König der Franken, da er zu Chalons weilte, erwählte weise Männer aus, die in seinem Reiche in den alten Gesetzen bewandert waren: diesen aber befahl er, nach seiner Anweisung das Recht der Franken und alamannen und Bayern aufzuzeichnen, für ein jedes Volk, das unter seiner Herrschaft stand, nach seiner Gewohnheit, er fügte hinzu, was anzufügen und unvorhergesehen war und beschnitt das Unschickliche. Und was darin nach der Gewohnheit der Heiden war, das ließ er nach dem Gesetz der Christen abündern. Was aber aber Theoderich wegen alteingewurzelter heidnischer Bräuche nicht zu bessern vermochte, das hat nachmals der König Ghildebert von Neuem begonnen, König Chlotar aber vollendet.

Dies alles hat Dagobert, der ruhmreiche König, durch die erlauchten Männer Claudius, Chadiondus, Magnus und Agilolfus erneuert und alle alten Gesetze verbessert und jedem Stamm schriftlich gegeben, die bis auf den heutigen Tag noch in Geltung sind.

Erlassen sind aber die Gesetze, damit aus Furcht vor ihnen die menschliche Bosheit im Zaum gehalten und die Unschuld unter den Ehrbaren gesichert, dagegen unter den Böswilligen durch die Furcht vor Strafe die Gelegenheit, Schaden zu stiften, eingedämmt werde.

(Übersetzung nach: Beyerle, Konrad: Lex Baiuwariorum, München 1926)

Gliederung (in titulis):

I. Hier beginnen die Kapitel der Satzungen des Gesetzbuches; welche den Klerus oder das Recht der Kirche betreffen.

1 Dass, wen ein freier Bayer oder wer immer ein Erbgut oder eine andere Sache der Kirche schenken will, er dazu freie Gewalt habe.

2 ... 14

II. Vom Herzog und den Rechtsfällen, die ihn angehen.

1 Wenn einer den Tod des Herzogs plant.

2 ... 18

III. Von den Geschlechtern und ihrer Busse

1. Von den Geschlechtern, die genannt werden Huosi, Trozza, Fagana, Hahiligga, Anniona. Diese sind sozusagen die vornehmsten nach den Agilolfingern, welch letztere von herzoglichem Geschlecht sind. Jenen gewähren wir doppelte Ehre, und so sollen sie auch doppelte Buße empfangen. Die Agilolfinger aber sollen bis zum Herzog hin vierfach gebüßt werden, weil sie die höchsten Fürsten unter euch sind. Der Herzog aber, der dem Voke vorsteht, er war immerdar aus dem Geschlecht der Agilolfinger und soll es sein. Denn so haben es die Könige, unsere Vorfahren, jenen zugestanden, als sie denjenigen aus ihrem Geschlecht der dem Könige treu und der klug war, zum Herzog einsetzten, jenes Volk zu regieren. Und um des willen, weil er Herzog ist, soll ihm auch größere Ehre zuteil werden, als seinen übrigen Verwandten. So werde ein Drittel zugeschlagen zu dem, womit seine Verwandten gebüßt werden. Wenn einem von diesen das Leben genommen wird, der werde mit 640 Schillingen gebüßt.

2. Den Herzog aber büße man mit 900 Schillingen seinen Verwandten oder dem Könige, wenn keine Verwandten da sind. ...

IV. Von den Freien, wie sie gebüßt werden. ....

V. Von Freigelassenen, wie sie gebüßt werden. ...

VI. Von Knechten, wie sie gebüßt werden. ...

VII. Vom Verbot blutschänderischer Ehen. ...

VIII. Über Frauen und ihre Rechtsfälle die sich häufig zutragen....

IX. Vom Diebstahl. ...

X. Von Brandstiftung an Häusern. ...

XI. Von Gewalttätigkeit. ...

XII. Von zerstörten Grenzzeichen. ...

XIII. Von Pfändern. ...

XIV. Von schädlichen Tieren. ...

XV. Von anvertrauten und (weggeliehenen) Sachen. ...

XVI. Von Verkäufen. ...

XVII. Von Zeugen. ...

XVIII. Von Kämpfern ...

XIX. Von Toten und was sie betrifft. ...

XX. Von Hunden und ihrer Buße. ...

XXI. Von Habichten und Vögeln. ...

XXII. Von Obstgärten, Wäldern und Bienen. ...

XXIII. Von Schweinen. ...

Dies ward beschlossen vor dem König und seinen Vornehmen und dem ganzen christlichen Volke, welches im Reich der Merowinger lebt.

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Als Redaktor oder Verfasser wird oft angegeben Abt Eberswind aus Niederaltaich, 741-743. Die Einordnungen des Textes gehen von verschiedenen Schichten der Entstehung aus bis zu einer ersten Schicht im 6. Jh. (Siems, Harald: Lex Bajuvariorum, in: Handwörterbuch zur deutschen Rechtsgeschichte, Bd. 2, 1978, Sp. 1887-1901. Insgesamt zum Folgenden detailliert: Nehlsen, Hermann: Italien. Bayern und die Langobarden, in: Schmid, Alois u.a. (Hrsg.): Bayern mitten in Europa, 2005, S. 26-44).

Traditionsgeschichte:

Das Westgotische Gesetzbuch aus der Zeit König Eurichs oder des Sohns (466-507, Toulouse): Große Übereinstimmung mit dem l.b.

Gesetzbuch der Westgoten "Liber Judiciorum" von König Reccesvinth (654): Nicht benutzt.

Dazwischen Gesetzbuch des König Leovigild (568-586): Nicht benutzt.

Warum wurden dann 741 die beiden zwischenzeitlichen Gesetzbücher nicht berücksichtigt? These: Pirminsmönche schrieben das l.b.. Sie flohen aus dem Westgotenreich bei seiner Zerstörung durch die Araber 711, hatten im Gepäck das längst überholte alte Gesetzbuch und verwendeten dann dieses.

Oder: These: Der Anfang des l.b. liegt vor 586, als das Westgotische Gesetzbuch noch galt.

Immer stellt sich auch die Frage, wie das alte westgotische Gesetzbuch in die Hände der Redaktoren der l.b. gelangt ist.