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Matthias Flothow
dumii@web.de

Rolandslied

 

Ende des 12. Jh. geschrieben.

Beginnt mit einem Lobpreis Karls des Großen (der 1165 auf Betreiben Barbarossas heiliggesprochen wurde).

Im Hintergrund (bzw. im Vordergrund) steht Heinrich der Löwe, der gepriesen wird.

Ende:

 

...
An seinem Hof wird es nie Nacht.
Ich meine damit das Ewige Licht,
das verlöscht nie.
Treulosigkeit ist ihm verhaßt;
er liebt die aufrichtige Wahrheit.
So befolgt der Herr
alle göttlichen Gebote
samt seinem edlen Gefolge.
An seinem Hofe kann man finden
beständigkeit allein und hohe Sitte,
dort herrscht Freude im Übermaß,
da sind Keuschheit und Züchtigkeit zu Haus.
Gerne gehorchen ihm seine Mannen;
Tugend und Ehre sind da mächtig!
Habt ihr jemals erfahren,
daß es einem besser gehe anderswo?
Gott seinem Schöpfer
bringt er Leib und Seele zum Opfer,
wie einst David der Herr.
Und so er etwas unterlassen hat,
dafür leistet er jetzt schon Rechtfertigung:
so daß er am Ende aller Tage,
wenn Gott zu seinem Gericht erscheint,
nicht mehr vor den Richterstuhl gefordert wird,
der Herr ihn vielmehr führe
zur Schar der Seligen,
darauf sprechen wir alle Amen!
Wenn euch mein Lied gefällt,
so gedenkt alle mein:
ich bin genannt Konrad der Pfarre.
Genau wie es in dem Buch geschrieben steht
in französischer Sprache,
so habe ich's ins Latein gebracht
und dann ins Deutsche übersetzt.
Ich habe nichts hinzugefügt
und nichts hinweggelassen.
Jeder, der es hören wird,
soll in wahrer Liebe zu Gott
ein Paternoster singen,
meinem Herrn als Beistand,
zum Trost allen gläubigen Seelen,
damit Gott im rechten Glauben uns bestärke,
daß es uns nie mangle an guten Werken
und sein Reich zu uns komme.
Tu autem domine miserere nobis!

 

Lit.: Gerlinde Weber, Rolandslied, in: Bayerische Literaturgeschichte Bd. 1, 131-148.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

© Matthias Flothow