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Matthias Flothow
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Liber de causis

 

Nach: Albertus Magnus, Buch über die Ursachen und den Hervorgang von allem aus der ersten Ursache, Meiner 2006, Einleitung XXIIIff.

Anonyme arabische Schrift: Abhandlung über das reine Gute, lat: Liber de causis.

31 (32) Lehrsätze mit erläuterndem Kommentar. Methode folgt Euklids für die Geometrie entwickeltem Vorgehen.

Grundthema: Der Hervorgang der Vielen aus dem Einen. Primäre und sekundäre Ursachen.

Das Erste ist das Eine als die reine Gutheit. Aus diesem geschaffenen Sein geht hierarchisch alles hervor: Intelligenz, (Himmels)seele, Zeit und Ewigkeit, Entstehen und Vergehen.
Gegenüber der neuplatonischen Emanationslehre ist ausdrücklich von göttlicher Schöpfertätigkeit die Rede, die vermittels der Intelligenz erfolgt.

Herkunft: Arabischer Text stilistisch aus dem 9. Jh, geographisch aus Bagdad. Inhaltliche Nähe zu al-Kindi (9.Jh. in Bagdad). Verfasser Al-Kindi oder Kreis um Al-Kindi.

Inhalt:
Methodisch und inhaltlich wichtigste Quelle (aber nicht nur Exzerpt):
Elementatio theologica des Proklos (412-485)
Inhalte aus Enneaden des Plotin (204-270)
Traktate des Alexander von Aphrodisias.

Sollte vermutlich Buch Lambda der Aristot. Metaphysik ergänzen.

"Für den islamischen Raum wurde mit dieser Synthese die Anwendung der neuplatonischen Kausalitätslehre auf eine schöpferische erste Ursache geleistet,
wie sie zuvor Dionysius Ps.-Areopagita" für den christlichen Kontext durchdacht hatte (ebenfalls im Anschluss an Proklos).

Rezeption:

Gerhard von Cremona übersetzte den Liber vor 1200 in Toledo aus dem Arabischen ins Lateinische.
Als Werk des Aristoteles wurde es an den Schulen und Universitäten gelesen (auch unter dem Titel: "Liber Aristotelis de expositione bonitatis purae")

Das zentrale Thema, die Vereinbarkeit eines einen Ersten mit der vorfindlichen Vielheit der Welt, stellte eine Herausforderung dar für den neuplatonischen Philosophen, für den muslimischen Kompilator wie für den christlichen Denker.
1255 Bestandteil des Curriculum der Artes-Fakultät in Paris.

1268: Wilhelm von Moerbeke übersetzte die Elementatio theologica des Proklos ins Lateinische.
Deshalb Thomas in seinem Kommentar zum Liber: "Daher scheint es ein Auszug aus dem zuvor genannten Buch des Proklos zu sein, von einem arabischen Philosophen erstellt, vor allem deshalb, weil alles, was in diesem (dem Liber) enthalten ist, viel vollständiger und ausgefalteter in jenem (der Elementatio) enthalten ist."