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Matthias Flothow
dumii@web.de

Herzog Ludwig I. der Kelheimer

Vorgänger: Herzog Otto I. bis 1183.
Nachfolger: Herzog Otto II. der Erlauchte ab 1231
nach oben (Wittelsbacher vor 1506)


Herzog 1183 bis 1231.Ermordung Ludwigs

* 23.12.1173 (1174) in Kelheim
+ 15.9.1231 in Kelheim (ermordet)
Grab: Scheyern

oo Ende Oktober 1204 in Kelheim

Ludmilla v. Böhmen

Witwe des Grafen Albert III. v. Bogen

* um 1170 in Olmütz?
+ 5. 8. 1240 in Landshut
Grab: Seligenthal

Kind:

Otto II., Herzog von Bayern


Ludwig der Kehlheimer ist der "Baumeister" des wittelsbachischen Bayern als Territorialstaat (Störmer).

1192 war er von Heinrich VI. vor einer gefährlichen Adelsopposition gerettet worden. Nach Heinrichs Tod unterstützt Ludwig König Philipp von Schwaben. Als der 1208 von Ludwigs Vetter, Pfalzgraf Otto von Wittelsbach ermordet wird, erkennt Ludwig den Gegenkönig Otto IV. an. Das bringt ihm Dank: Die Erblichkeit des bayerischen Herzogtums und die Reichslehen des Mörders (und auch die des beteiligten Heinrich von Istrien, einem Andechs-Meranier).

Durch die Ausnutzung des Heimfallrechts (das auf Allodialgüter ausgedehnt wurde) und die Gründung von Städten (Straubing, Landshut) gelingt ihm die Festigung seines Landes.

Trotzdem geht er von 1208 bis 1211 auf die Seite des "Gegenkönigs" über, blieb aber 1211 bis 1228/29 in enger Verbundenheit mit dem Stauferkaiser Friedrich II.

Am 4. Kreuzzug nimmt er teil, gerät aber durch unvorsichtige Manöver beim Vormarsch von Damiette auf Kairo in ägyptische Gefangenschaft, aus der er gegen ein reiches Lösegeld befreit wird.

1225 wird er - nach der Ermordung erzbischof Engelberts von Köln - Vormund von König Heinrich VII. Aber Ludwig und Heinrich verstehen sich von Anfang an nicht. 1228 wirft ihm Heinrich VII. Verrat vor (dass er geheime Verhandlungen mit dem Papst führt, obwohl sich alle Fürsten hinter den gebannten Kaiser gestellt hatten) und wirft ihn 1229 militärisch nieder. Der Kaiser schließlich griff ein uns ließ Ludwig erneut seine Loyalität beschwören.

Eine Deutung der Ermordung Ludwigs vermutet, dass die Staufer hinter dem Attentat standen. (Wenn es so war, so war die Feindschaft in der nächsten Generation offenbar verschwunden.)

Ludwig fällt 1214 durch die Verlobung seines Sohnes mit der Pfalz-Erbin Agnes die Pfalzgrafschaft bei Rhein zu. Die "Pfalz" wird 700 Jahre wittelsbachisch bleiben. Mit der Pfalz war das Richteramt über den König und das Reichsvikariat verbunden (die Stellvertretung des Königs bei Thronvakanzen oder wenn der König in Italien war). Deshalb haben die bayerischen Herzöge an erster Stelle als Pfalzgrafen bei Rhein und erst danach als Herzog von Bayern tituliert.

Nach seiner Ermordung stiftet seine Frau Ludmilla das Zisterzienserinnenkloster Seligenthal, in dem in der Folge die meisten bayerischen Herzöge bestattet wurden.

Lit.: Volker Rödel, 6. Oktober 1214. Die Belehung Herzog Ludwigs I. mit der Pfalzgrafschaft bei Rhein, in: Nach Jahr und Tag, S. 122ff 

Quelle: Rall