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Matthias Flothow
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Thomas von Aquin

1224/25 - 1274

Grab seit 1974: Jakobinerkirche Toulouse

1277 Verurteilung von 219 Thesen. 1323 heilig gesprochen. 1324 Beanstandungen zurückgenommen.

 

Die aristotelische Politiktheorie und ihre papalistische Instrumentalisierung bei Thomas von Aquin

Es gibt in der 2. Hälfte des 13. Jh. Streit um die Deutung und Einordnung der aristotelischen Politik. Marsilius von Padua und Dante üben Kritik an der päpstlichen Weltherrschaft.
Die papalistische Theorie gab es in mehreren Varianten: gemäßigt: Thomas, schärfer: Aegidius Romanus, radikal: Papst Bonifaz VIII. in der Bulle "Unam sanctam" von 1302.

1260: Über die Fürstenherrschaft: (Flasch, Kampfplätze, S. 180ff)

Jedem Menschen ist von Natur aus das Licht der Vernunft eingegeben, also kann er seine Handlungen auf ein Ziel lenken.
Außerhalb der Gesellschaft würde sich jeder selbst mit seiner Vernunft zu seinem Ziel führen, er wäre sein eigener König unter der Leitung Gottes, als des höchsten Königs.

Nun liegt es aber in der Natur des Menschen, ein soziales und politisches Lebewesen zu sein. Aus seiner biologischen Situation heraus braucht der Mensch die Gesellschaft.
Den anderen Lebewesen gab die Natur Nahrung, Kleidung, Waffen oder Fluchtmöglichkeiten. Dem Menschen fehlt dies alles. Er ist ein Mängelwesen. Aber anstelle aller Naturausstattung hat der Mensch die Vernunft bekommen. Er kann sich mit seinen Händen alles herstellen, was er braucht. Aber als Einzelner ist er dazu nicht hinreichend imstande. Deswegen ist es dem Menschen "natürlich", in Gesellschaft zu leben.

Außerdem fehlt dem Menschen die Instinktsicherheit der Tiere. Diese wissen instinktiv, was schadet und was nützt. Der Mensch hat von dem, was ihm nützt nur eine sehr allgemeine Vorstellung, so als solle er vom Allgemeinen zu den Einzeldingen vorstoßen. Das kann er nicht in der Isolation, deshalb muss er in Gesellschaft leben, damit einer dem anderen helfe. Diese Arbeitsteilung ist also biologisch notwendig.

Daher braucht der Mensch auch die Sprache, damit er dem anderen seine Gedanken mitteilen kann.

Da es dem Menschen derart natürlich ist, in Gesellschaft zu leben, braucht er eine politische Führung. Dieser Führung ist eine gewisse Selbständigkeit zugestanden. Die Politik ist aber der päpstlichen Oberherrschaft untergeordnet, weil die Politik die irdische Glückseligkeit des Menschen verwirklicht, aber diese ist nur ein vorläufiges Ziel, sie ist hingeordnet auf die jenseitige Glückseligkeit. Sie ist Mittel zum Zweck. So wird die politische Philosophie in den Dienst päpstlicher Universalmonarchie gestellt.