Epochen

Linien

Orte

Personen

Werk/Buch














Matthias Flothow
dumii@web.de

Kurfürst Maximilian I.

Vorgänger: Herzog Wilhelm V. 1598
Nachfolger: Kurfürst Ferdinand Maria  1651
nach oben (Wittelsbacher nach 1506)


* 17. 4. 1573 in München
+ 27. 9. 1651 in Ingolstadt
Grab: St. Michaels-Kirche München

Maximilian regierte von 1598 bis 1651, ab 1623 als Kurfürst.

Beichtvater: Adam Contzen, ab 1635 Vervaux

1. oo 6. 2. 1595 Nancy

 Elisabeth Renata

Tochter von Karl II., Herzog von Lothringen. Elisabeth Renata stirbt kinderlos am 4. 1. 1635 in Ranshofen (bei Braunau am Inn).

Beichtvater: Vervaux

2. oo 15. 7. 1635 Wien

 Maria Anna

Tochter von Kaiser Ferdinand II und Maria Anna, Tochter von Herzog Wilhelm V. von Bayern.

Aus dieser Ehe stammen die beiden Kinder

1. Ferdinand Maria

2. Maximilian Philipp Hieronymus

Vormund von Max II. Emanuel

 

Wirtschaftliche Sanierung

Bevor der 30-jährige Krieg ausbrach, hatte Maximilian zwei Jahrzehnte Zeit, die inneren Angelegenheiten seines Landes in Ordnung zu bringen. Das war nicht ganz einfach; zwar hatte sein Vater, Herzog Wilhelm V., ihn ausgiebig auf sein späteres Amt vorbereitet, doch als Maximilian 1597 die Regierungsgeschäfte antrat, übernahm er einen völlig maroden Staat. In der Kasse lagen gerade noch 1220 Gulden und 30 Kreuzer. Wie sollte er damit Schulden in Höhe von 1 663.500 Gulden bezahlen? Doch Maximilian war trotz seiner 24 Jahre schon eine Persönlichkeit von eiserner Disziplin und Willenskraft. Strenge Jesuiten hatten ihn nicht nur zu einem erzkatholischen Christen erzogen, sondern auch zu einem gewissenhaften, fleißigen Fürsten. Anders als andere Herrscher interessierte er sich nicht
für übermäßiges Essen und Trinken, für die Jagd oder Ritterspiele. Maximilian arbeitete wie besessen. Von morgens vier Uhr bis tief in die Nacht hinein saß er über den Akten. Er verlangte viel von sich und viel von anderen. So beklagte sich einer seiner Berater: "Wir werden über die Maßen mit dem Laborieren überhäuft, sonderlich bei einem fleißigen Herrn, der sich bei Tag und Nacht keine Ruhe gönnt, sondern sich und andere aufreibt."

Das Sparen wurde zu Maximilians oberstem Leitsatz. Um die Kassen wieder zu füllen, drehte er nicht einfach nur an der Steuerschraube. Er begann mit Rationalisierungen, auch in der eigenen Hofhaltung. Höchstpersönlich wachte er darüber, welche Zimmer täglich beheizt werden mussten und welche nicht. Von seinen Beamten verlangte er genaue
Rechnungslegung. Diese Maßnahmen reichten natürlich nicht aus, um die Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Als erster deutscher Fürst bediente sich Maximilian einer Reform, die sich im Laufe des 17. Jahrhunderts überall in Europa durchsetzen sollte: Steigerung des Exports bei gleichzeitiger Einschränkung des Imports. Neben der
Lockerung des Zunftwesens und der Förderung des Bergbaus lag ihm vor allem das einheimische Tuch- und Lodengewerbe am Herzen. Verwundert hatte er festgestellt,

"… dass die im Lande erzielte Wolle, Flachs, Garn und anderes unverarbeitet und roh außer Landes geführt werden; wodurch dem Ausland der Nutzen und die Nahrung überlassen werden und dem Land dagegen fast nichts als Mangel an Nahrung verbleibt."

Der Erfolg dieser systematisch betriebenen Aufbaupolitik ließ nicht lange auf sich warten. Bereits 1612 waren nicht nur sämtliche Schulden gedeckt, die Maximilian von seinem Vater geerbt hatte; in den königlichen Kassen klingelten sogar wieder 891.000 Gulden. Als die Wirtschaft wieder florierte, machte sich Maximilian daran, sein umfangreiches
Sanierungsprogramm auf andere Bereiche auszudehnen.

Recht: Der Codex Maximilianeus

Das Recht erschien ihm seit langem reformbedürftig, denn:

"Zeiten und Läufe haben sich verändert, die menschliche Boshaftigkeit und Hadersucht täglich so sehr überhand genommen und die Machtlosigkeit der zu den Gerichten und Rechten bestellten Personen einen hohen Grad erreicht."

Maximilian ließ von Experten ein neues, umfangreiches Gesetzbuch ausarbeiten, das 1616 als "Codex Maximilianeus" erschien, eine für die damalige Zeit beispielhafte Rechtsordnung. Das neue Gesetz galt erstmals für Ober- und Niederbayern gleichermaßen. Es umfasste fast alle Gebiete des öffentlichen und privaten Lebens, sparte
auch die Wirtschaft sowie das Soziale nicht aus. Selbst der Verkauf von Getreide, Vieh und Schmalz war genauestens geregelt. Fremde Bettler sollten ausgewiesen werden, die einheimischen Armen aber durften mit einer besonderen Fürsorge rechnen. Große Aufmerksamkeit widmete Maximilian der Moral in seinem Land. Sein Gesetz sah strenge Strafen vor, falls die detaillierten Vorschriften nicht beachtet wurden. Der sittenstrenge Herrscher war davon überzeugt, "… dass das hochverbotene Laster der Leichtfertigkeit und unehelichen Schwängerungen,
besonders auf dem Lande unter dem ledigen Bauerngesinde und anderen gemeinen Leuten, aber auch das hochsträfliche Laster des Ehebruchs sowohl bei alten und jungen Leuten beiderlei Geschlechts allzu viel eingerissen und überhand genommen hat."

Die jungen Leute hatten es nicht gerade leicht. Nach dem Willen Maximilians durfte kein Geselle oder Bauernbursche heiraten, bevor er nicht eine militärische Ausbildung hinter sich gebracht hatte. Das neue Recht hatte 150 Jahre Bestand. Dann wurde es durch das Bürgerliche Gesetzbuch ersetzt.

Verwaltungsorganisation

Damit das Gesetz richtig angewandt werden konnte, war eine weitere Reform notwendig, nämlich der Aufbau einer perfekten Bürokratie. Maximilian sorgte für eine völlig neue Struktur innerhalb der bayerischen Verwaltungsorganisation.

Die unterste Stufe bildeten die 85 Landgerichte, in denen jeweils ein Landrichter saß, der von einem Pfleger unterstützt wurde. Dann kamen die Rentämter, also die Regierungen. Für Oberbayern waren die Rentämter in München und Burghausen zuständig; Niederbayern wurde von Landshut und Straubing aus regiert. In diesen Ämtern gab es einen Rentmeister für Geldangelegenheiten, einen Kastner für die Getreideeinkünfte und einen so genannten
Vizedom, der sich mit der Malefizgerichtsbarkeit beschäftigte. Sie betraf die schweren Delikte, die mit Strafen an Leib und Leben geahndet wurden. Als solche galten Ehebruch, Diebstahl, Meineid, Mord und Totschlag, aber auch Wildfrevel und Ungehorsam gegen den Landesfürsten und seine Beamten. Hofkammer und Hofrat bildeten die nächst höhere Instanz. Die Hofkammer hatte sich um den gesamten Staatsetat zu kümmern; dem Hofrat unterstanden Gesetzgebung, Rechtspflege und das Polizeiwesen.

Daneben gab es noch den Geistlichen Rat, den Kriegsrat und den Geheimen Rat. Letzterer hatte die Oberaufsicht über alle Bereiche der Verwaltung. Er beriet aber auch in Fragen der auswärtigen Politik und beschäftigte eine Reihe von Agenten, die in Rom, Madrid, Wien und Prag Informationen einholen mussten. Auch der Hofstaat Maximilians mit etwa 700 Bediensteten war Teil dieser ausgeklügelten Verwaltungshierarchie. An der Spitze stand der Herzog selbst, und sein Einfluss erstreckte sich auf alle Fragen der inneren und auswärtigen Politik. Kein Schriftstück wurde angefertigt, das Maximilian nicht persönlich überprüft hatte.

Kontrollzwang

Auch das Volk bekam seinen fast krankhaften Kontrollzwang zu spüren. Maximilian schreckte auch vor Spitzeln nicht zurück. Ein straff organisierter Polizeiapparat hatte das Leben eines jeden Bürgers genau zu überwachen. Maximilians Instruktionen reglementierten alles. Sie schrieben sogar vor, dass man beim Angelus-Läuten niederzuknien hatte. Die religiösen Rituale seiner Untertanen - wie Osterbeichte, Messbesuche oder Fasten - erzwang Maximilian teilweise unter Strafandrohung. Er bestand darauf, dass jeden Donnerstag eine Sakramentsprozession abgehalten wurde. Dabei mussten die Beamten mit brennenden Kerzen aus ihren Sitzungszimmern in die Kirche ziehen. Dass Maximilian selbst mit gutem Beispiel voranging und an zahllosen Wallfahrten teilnahm, mag für seine Untertanen ein gewisser Ansporn gewesen sein. Dennoch hatten sie für den Eingriff in ihr alltägliches Leben weit weniger Verständnis als für seine Sparmaßnahmen. Die Sittenpolizei schritt sogar gegen das beliebte „Fensterln“ ein; das Tanzen war nur an Sonn -und Feiertagen erlaubt, wobei Maximilian sogar die Uhrzeit festlegte. Genaue Vorschriften gab es auch zum Kartenspielen und Kegeln.

Orden

Maximilians strenges Regiment wurzelte in seinem katholischen Glauben. Den Jesuiten, die ihn zu so viel Frömmigkeit erzogen hatten, fühlte er sich zeitlebens verbunden. Er unterstützte sie mit zahllosen Zuwendungen. Doch als Geistliche genügten sie ihm offenbar nicht. Immer mehr Ordensleute holte Maximilian ins Land. Neben den Paulanern und Unbeschuhten Karmeliten waren dies vor allem die Kapuziner, denen er das erste Kloster in Bayern baute. Maximilian war es auch, der die Verehrung Marias als Patrona Bavariae einführte.

Residenz

Er ließ eine Bronzestatue der Segensgestalt an der Westfassade der Münchner Residenz aufstellen. Deren Verschönerung lag ihm ohnehin am Herzen. Und nachdem sich die fürstlichen Schatztruhen wieder füllten, stand seinen Bauplänen nichts mehr im Wege. Von 1598 -1619 baute Maximilian die Residenz zum prunkvollsten Palast im damaligen Deutschland aus. Sie wurde von Zeitgenossen sogar als achtes Weltwunder gerühmt. Nach und nach entstanden der Brunnenhof, die Hofkapelle, die Reiche Kapelle und zuletzt der beeindruckende Gebäudekomplex um den Kaiserhof. Innen führten monumentale Treppenhäuser in prachtvolle Räume, die mit Möbeln aus Ebenholz ausgestattet, mit Marmor, Stuck und Schnitzereien reich verziert waren. Die Residenz wurde so zum repräsentativen Ausdruck seiner Gesinnung: Dem konservativen Maximilian war es gelungen, Bayern politisch und militärisch eine Vormachtstellung in Deutschland zu verschaffen. Maximilian betrachtete sich aber auch als Retter und Schirmherr der Kirche. Seine Residenz sollte zum Mittelpunkt der katholischen Welt werden, deren Grundfeste allerdings immer mehr ins Wanken geriet.

30-jähriger Krieg

1618 begann der Dreißigjährige Krieg. Erbittert standen sich Protestanten und Katholiken gegenüber. In der berühmten Schlacht am Weißen Berg bei Prag besiegte Maximilian 1620 seinen evangelischen Vetter. Als Lohn für den Sieg, so kann man in vielen Büchern lesen, habe er nicht nur die Oberpfalz, sondern auch die lang ersehnte Kurwürde erhalten. Ganz so selbstverständlich geschah das jedoch nicht. Dahinter steckten jahrelange zähe
Verhandlungen. Erst am 1623 wurde Maximilian in Regensburg von Kaiser Ferdinand II. mit dem Hut und Mantel eines Kurfürsten gekleidet. Maximilian stand auf dem Höhepunkt seiner Macht. Drei Jahrhunderte lang hatte sich Bayern um die Kurwürde bemüht. Maximilian hatte dieses Ziel erreicht. Die Oberpfalz ging erst 1628 in seinen Besitz über. Maximilian versuchte, sie schnellstmöglich wieder katholisch zu machen. Mit Hilfe der Jesuiten gelang ihm das rasch. Doch der Preis war hoch. Viele der gebildeten und finanzkräftigen Leute waren Protestanten und wanderten ab. Am Ende war die Oberpfalz zwar katholisch, aber gleichzeitig auch zum Armenhaus Europas geworden.

Währenddessen tobte der Krieg mit unverminderter Kraft weiter. Deutschland stand in Flammen. Nur vordergründig handelte es sich um einen Kampf der Religionen. Genau genommen ging es um die politische Vormachtstellung in Europa. Deutschland, das sich in der Mitte befand, wurde zum Spielball der jeweiligen Interessen.

Auf Mord und Totschlag folgten Missernten, Hunger und die Pest. Viele Male hatte sich Maximilian für Friedensverträge eingesetzt. Als am 24. Oktober 1648 mit dem Westfälischen Frieden das Ende des Krieges eingeläutet wurde, war dies zum großen Teil auch sein Verdienst. Bayern bestand wie das übrige Deutschland fast nur noch aus verbrannter Erde. Deutschland war nahezu entvölkert. Seinem Bruder klagte der Kurfürst: "Was aber das arme Baierland belangt, würden Euer Lieben es nit mehr kennen und ohne Mitleid nit ansehen können."

Aufbau nach dem Krieg

Maximilian ging als einziger deutscher Fürst als Gewinner aus diesem Krieg hervor. Inzwischen 75 Jahre alt, machte er sich unverdrossen daran, das Land wieder aufzubauen. Das war alles andere als einfach. Noch anderthalb Jahrhunderte später hatten die Münchner Gewerbe nicht wieder den Stand vor 1618 erreicht. Getreide und Saatgut
musste Maximilian aus Ungarn kommen lassen. Weil er die Steuern ermäßigte, und die Soldaten entließ, stellte sich der Erfolg rasch ein. Nach drei Jahren waren die Kriegsschulden gedeckt, und Maximilian konnte seinem Sohn ein Vermögen von eineinhalb Millionen Gulden hinterlassen.

Zeitgenossen

Seine Zeitgenossen taten sich schwer mit ihm. Viele bewunderten ihn, doch der Ernst, der ihn umgab, machte ihn manchen unheimlich. Seine Gegenwart hatte etwas Bedrückendes. Schon in jungen Jahren sah ihn kaum jemand lachen. Maximilian unterschied sich in seiner Persönlichkeit völlig von seinen beiden gesprächigen und humorvollen Brüdern. Von klein auf war er verschlossen und in sich gekehrt. Er verkroch sich in seine Arbeit, wirkte kühl und unnahbar, bisweilen sogar schroff und abweisend. Seine Gesichtszüge wurden mit zunehmendem Alter immer
strenger und härter. Manche irritierte der durchdringende Blick seiner blauen Augen. Der französische Minister Mazarin behauptete, Maximilian sei „über die Maßen verschlagen“; und der Schwedenkönig Gustav Adolf ließ verlauten, der Kurfürst sei „glatt wie ein Aal“. Er selbst verglich sich einmal mit einer brennenden Kerze, die sich selbst verzehrt: Aliis lucendo consumor – Ich brauche mich auf im Leuchten.

Tod

Drei Jahre nach Kriegsende suchte der Kurfürst noch einmal Ingolstadt auf, die Stadt seiner glücklichen Studienjahre. In einer zugigen Kirche erkältete er sich; von der Krankheit konnte er sich nicht mehr erholen. Am 27. September 1651 starb der erste Kurfürst Bayerns. Bei seiner Beisetzung in der Münchner Michaelskirche durfte seinem Wunsch entsprechend kein Wort des Lobes gesprochen werden. Auf ein Staatsbegräbnis verzichtete er. Die 50 000 Gulden, die es gekostet hätte, wollte er für einen guten Zweck verwendet wissen:

"Mein Madensack soll man nicht lang auf Erden lassen, noch viel Grandezza und Zeremonie,
sondern die Spesa auf die Armen wenden und keinen Pomp machen."


 

Gibt zur Geburt seines Sohnes die "Bayerischen Helden" in Auftrag.
Lässt zur Geburt seines Sohnes die Theatinerkirche bauen.

Schreibt für seinen Sohn die "Väterlichen Ermahnungen":

VÄTERLICHE ERMAHNUNGEN

"Ich habe Dir, mein Sohn Ferdinand! dasjenige, was Dir zur sichern Richtschnur des Lebens, und zur Beförderung eines wahren Ruhmes dienen mag, mit wenigen Worten aufgezeichnet. Wenn Du einst die Herrscher-Bürde übernimmst, wirst Du eines Führers bedürfen, der Dich nicht nur einmal und sparsam, sondern oft und reichlich mahnet; ich aber werde zu Grabe gehen, und Dir nicht mehr mit meinem Rate beistehen können: so mögen dann diese schriftlichen Ermahnungen, als das letzte Vermächtnis deines liebenden Vaters, meine Stelle bei Dir vertreten.

Ich hoffe, dass Du diese Ermahnungen um so lieber und öfter lesen, dem Gemüthe immer tiefer einprägen, und in Gesinnungen und Wandel treu befolgen werdest, je inniger ich von deinem brennenden Eifer für die Ehre Gottes, für dein Heil, und für das Wohl des DIr anvertrauten Volkes, so wie von deiner Liebe gegen mich überzeugt bin. Ich übergebe Dir also als Ausfluss meines väterlichen Herzens einen kurzen Inbegriff deiner pflichten gegen Gott, gegen Dich selbst, und gegen deine Untertanen.

I. Hauptstück.

Von der Pflicht gegen Gott, gegen die Heiligen, und Blutsverwandte, und von der wahren Ehrbegierde.

§ 1. Frömmigkeit und Gottesfurcht.

Gott ist der alleinige Herrscher; aus seiner Hand allein kömmt Macht, Ruhm und Sieg; sein ist Alles im Himmel und auf Erden. Gott ist der König aller Könige; er löset nach seinem Gefallen der Könige Gürtel und umgürtet ihre Lenden mit dem Seile: er richtet mit gleichem Gerichte die Kleinen und die Großen.

...

"Vom Krieg will ich nicht viel reden; denn lieber ist mir, Du weißt wenig davon, als dass Du selbst einen führst… Wer vom Krieg redet, redet nur Übles: die können es bezeugen, die es erfahren, die die Grausamkeiten des Krieges mit eigenen Augen mitangesehen haben; nicht die, die solches nur angeordnet und nicht gesehen haben.

Die Gerechtigkeit soll bei denen, die Recht zu sprechen haben, nicht käuflich, nicht durch Schenkungen, Gunst und Ehrgeiz zu gewinnen sein. Missbrauch in solchen Dingen wirst Du leicht abstellen können, wenn du den Räten und Richtern das ihnen gebührende Einkommen richtig und zur rechten Zeit zuweisen lässt, auf dass sie keine Ursache haben, dem Mangel durch unzulässige Mittel abzuhelfen… Die Gerichtssachen lasse bei den Behörden nicht auf die lange Bank ziehen, was entweder auf Saumseligkeit oder auf einen Mangel an Richtern, die mit Rechtssachen überhäuft sind, zurückzuführen ist; oder aber darauf, dass diese durch ihr Verschleppen absichtlich Geld von den Parteien erpressen wollen. Jene aber, die in göttlichen Dingen Neuerungen suchen, sollst Du fliehen und soviel als
möglich verfolgen; vornehmlich wegen Gott, aber auch weil dergleichen Neuerungen zu vielen Veränderungen, schädlichen Bündnis und Aufruhr, ja zu allen Übeln Gelegenheit geben. Die alten Gebräuche unserer Vorfahren heilig zu bewahren, ist Gott ungemein angenehm und dem Gemeinwesen über die Maßen heilsam. ...

Wenn aber, was Gott gnädig verhüten möge, die Notwendigkeit es erfordert, wegen der Bosheit Anderer Krieg zu führen, so beginne damit nicht, ehe und bevor Du alles wohl überlegt hast; fliehe den Krieg, dessen Ursprung Hass, Hochmut und andere unbesonnene Gemütsregungen sind. Die Waffen ergreife mit Gottes Hilfe vor allem zur Erhaltung der Religion, zum Schutze der Treue, die Du dem Kaiser als Deinem höchsten Oberhaupt und
Lehensherren schuldig bist, zur Erfüllung der Deinen Bundesgenossen gegenüber übernommenen Pflichten, zum Wohle Deines Vaterlandes, zur Abwendung zugefügter Schmach, zum Schirm Deiner Untertanen und letzthin um des Rechtes willen, wenn es auf keinem anderen Weg als dem der Waffen errungen werden kann.

Quelle für den erzählenden Teil: http://www.br-online.de/wissen-bildung/collegeradio/medien/geschichte/maximilian/manuskript/maximilian_manuskript.pdf (5.9.2011)