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Matthias Flothow
dumii@web.de

Kurfürst Maximilian III. Joseph, der Vielgeliebte

Vorgänger: Kurfürst Karl Albrecht 1745
Nachfolger: Kurfürst Karl Theodor 1777
nach oben (Wittelsbacher nach 1506)
zur Epoche Absolutismus


Regiert in Bayern von 1745 bis 1777

* 28.3.1727 München
+ 30.12.1777 München
Grab: Theatinerkirche

oo 9.7.1747

Maria Anna Sophie

*29.8.1728 Dresden
+ 17.2.1797 München
Grab: Theatinerkirche

Vater: Friedrich August III., König von Polen, als Kurfürst von Sachsen Friedrich August II.,
Mutter: Erzherzogin Maria Josefa (Tochter Kaiser Josefs I.)

Keine Kinder.

1730 wurden die Väterlichen Ermahnungen, seinerzeit deutsch und lateinisch, ins Italienische und Französische übersetzt und Karl Albrecht für seinen 3-jährigen Sohn Max Joseph gewidmet.

Johann Adam von Ickstatt war einer seiner Erzieher. Ickstatt hatte in Marburg Christian Wolff gehört, war in Würzburg Staatsrechtslehrer. 1741 wurde er nach München gerufen.
Der andere Erzieher war der Jesuit Daniel Stadler. Ebenfalls ein Verehrer Wolffs.

Seine entscheidenden Jugendjahre verbrachte der Kurprinz im Exil am Kaiserhof Karls VII. zu Frankfurt.

Das Ergebnis der Erziehung: "ein hoch gebildeter, kluger, von tiefem sittlichen Verantwortungsgefühl beseelter Fürst." (Kraus S. 334) Er wollte selber "aufgeklärt" sein und hielt ebenso am Absolutismus fest.

Übernimmt mit 18 die Regierung. Sofort nach seinem Amtsantritt schließt er den Präliminarfrieden von Füssen, mit dem der Österreichische Erbfolgekrieg beendet wird, allerdings auch die bayerische Politik nicht mehr im Konzert der Großmächte stattfand. Er wechselt die Richtung der Politik, entläßt Graf Törring.

Im Zusammenhang mit dem Renversement des Alliances 1756 wuchs in Frankreich wieder eine vorübergehende Bereitschaft zu einem Vertrag mit Bayern, der im Juli 1756 zu Compiègne unterzeichnet wurde und Bayern in den Siebenjährigen Krieg führte. Doch agierte der Kurfürst in diesem Waffengang, der ihn im Grunde nicht betraf, zurückhaltend und vorsichtig, um nicht mehr als unumgänglich in die Auseinandersetzung verwickelt zu werden. Er stellte neben dem Kreiskontingent ein zahlenmäßig nur wenig bedeutsames Auxiliarkorps, das er überdies im Januar 1759 wieder abberief. Seit dieser Zeit arbeitete er auf den gänzlichen Rückzug aus dem Krieg hin und wurde schließlich einer der Wegbereiter der Neutralitätserklärung des Reiches 1762/63.

 Er wandte sich unter dem Eindruck der militärischen Entwicklung mehr und mehr Friedrich II. von Preußen zu. In ihm sah er nach dem Rückzug Frankreichs den wirkungsvollsten Anführer der antihabsburg. Kräfte; die Verstärkung der Zusammenarbeit der mittleren Territorien gegen den Wiener Kaiserhof war eines seiner reichspolitischen Grundanliegen. Vor allem sah M. in Friedrich II. den Garanten des Weiterbestandes des Kurfürstentums nach seinem söhnelosen Tod. Die Vorbereitung der pfälz. Erbfolge wurde angesichts der unglücklichen Ehe seiner Schwester Maria Josepha mit Kaiser Joseph II. (1765) sein außenpolitisches Hauptziel, das er mit den Hausverträgen von 1766, 1771 und 1774 abzusichern suchte. Der Kurfürst, der im Falle des frühzeitigen Todes Karl Theodors Erbe des Kurfürstentums Pfalz geworden wäre, hat die Weichen für den Erbfall von 1777/78 planvoll und - wie sich zeigen sollte - erfolgreich gestellt.

Innere Reformen

Nach dem Siebenjährigen Krieg leitete er in Bayern eine Epoche innerer Reformen ein. (Wurzeln dieser Reformen vielfach zwischen 1745 und 1756):

Durch die Hofratsordnung 1750 und die Erneuerung der Geheimen Konferenz 1764 mit der Einrichtung eines eigenen Departements der auswärtigen Geschäfte, dem Vorläufer eines Fachministeriums, versuchte der Kurfürst, den zentralen Regierungsapparat den wachsenden Anforderungen anzupassen. Doch blieben diese Maßnahmen Stückwerk, weil er seinen Vorrang durch keine Ressortminister oder gar einen Leitenden Minister, wie ihn andere Territorien der Zeit kannten, in Frage stellen lassen wollte.

Der Kurfürst bemühte sich - trotz einer gewissen Abhängigkeit von Beratern - um ein sehr persönliches Regiment, wie vornehmlich seine Finanzpolitik zeigt, in die er niemandem vollen Einblick gewährte. Durch mannigfache Mandate und Eingriffe versuchte er, der weitverbreiteten Not abzuhelfen und den übernommenen gewaltigen Schuldenberg abzutragen. Von allen Zentralbehörden wurde bezeichnenderweise die Hofkammer am stärksten ausgebaut. Schon 1748 wurde das Kommerzienkollegium gegründet, das eine Reihe von Projekten betrieb. Von diesen hat sich aber allein die Nymphenburger Porzellanmanufaktur (seit 1747/61) als dauerhafte Einrichtung behauptet.

Eine planvolle Bevölkerungspolitik sollte der weiteren Abnahme der Einwohnerzahl Einhalt gebieten. Um die Versorgung der Bevölkerung zu verbessern, wurden weitere Landreserven erschlossen, vor allem die großen Moore kultiviert.

Die erste umfassende Landesdeskription von 1752/60 und die Dachsbergsche Volksbeschreibung seit 1771 sollten den Behörden verläßliche Arbeitsgrundlagen verschaffen.

Die Stände gewannen keine neue Bedeutung. Mit der Landschaftsverordnung, die er, beraten von Ickstatt, zweimal entmachten wollte, lag der Kurfürst in einem Dauerkonflikt. Eine Entmachtung gelang nicht, weil er wirtschaftlich völlig von den Landständen, die sogar die vorübergehende Entfernung Ickstatts vom Hof durchsetzten, abhängig war.

Die Städteordnung von 1748 schränkte die Selbstverwaltungsrechte auf der Ebene der Städte und Märkte ein. Die Reichsstädte Regensburg und Augsburg sahen sich gerade unter M. starkem bayer. Druck ausgesetzt, der ihre Integration ins bayer. Wirtschaftsgebiet zur Folge hatte.

Eine Rationalisierung der Verwaltung fand nicht statt (im Unterschied zu Joseph II. in Österreich).

 Kreittmayr: Das wichtigste Ergebnis der Reformbemühungen war die umfassende Kodifikation des bayer. Rechts durch den Geheimen Ratskanzler Kreittmayr.

Die Beziehung zur Kirche wurde modifiziert. M. war ein entschlossener Gegner der ständischen Privilegien. Deswegen hat der persönlich fromme Kurfürst versucht, die Kirche zur Landeskirche herabzudrücken. Der Versuch der Besteuerung des unverhältnismäßig reichen Prälatenstandes (Peter von Osterwald) führte zur Weigerung der Prälaten. 1768/69 wurden  Der Geistliche Rat wurde 1768 neu organisiert und als Verwaltungsstelle der staatlichen Kirchenhoheitsrechte ausgebaut. M. setzte mit der Dezimations- und Amortisationsgesetzgebung die Besteuerung des ausgedehnten Kirchenbesitzes fort.

Der territorialistischen Kirchenpolitik Kurbayerns (Ziel: eine oder mehrere Landeskirchen) setzten die bayerischen Bischöfe ein am Febronianismus orientiertes Reformprogramm entgegen.

Seit 1769 überwachte ein Zensurkollegium das literarische Leben. Die Zensur ging so aus der kirchlichen in die weltliche Hand über.

1773 wurde auch in Bayern der Jesuitenorden aufgehoben.

Die Bildung als Aufgabe des Staates angesehen. Einführung der Schulpflicht 1770/71 (Heinrich von Braun).

Begeisterter Freund der Künste und Wissenschaften. 1759 stiftet er die Akademie der Wissenschaften. (Lori)

Begründung einer öffentlichen Zeichenschule.

Komponiert selbst (z.B. Stabat mater), wie auch seine Schwester.

1750-52 Cuvilliéstheater. (Bernasconi)

Der bei der Bevölkerung beliebte Kurfürst verkörperte auf eine bemerkenswerte Weise das Regentenideal des aufgeklärten Absolutismus.

Das Volk trauerte, als er 1777 an den schwarzen Blattern starb.

Hofgartenarkaden

Mit ihm endet die Ludwigische Linie von 1294 (Ludwig IV.)

 

Quellen:

Schmid, Alois, „Maximilian III. Joseph“, in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 485-487 [Onlinefassung]; URL: http://www.deutsche-biographie.de/pnd118579436.html (5.9.2011)

Spindler Handbuch II, 983-1102