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Matthias Flothow
dumii@web.de

Frömmigkeitsentwicklung

Bayerische Frömmigkeit?

Gibt es eine evangelische oder eine katholische bayerische Frömmigkeit? Hat der Glaube in Bayern eine andere Ausprägung gefunden als in anderen Regionen? Für die vorneuzeitliche Zeit, besonders seit der Bildung eines Territorialstaats, kann man für Bayern als relativ geschlossenem Gebiet eine eigene Entwicklung annehmen. Im 19. Jahrhundert werden die Universitäten prägend und beeinflussen damit die Entwicklung der Frömmigkeit. Im 20. Jahrhundert gibt es in Bayern nach dem 2. Weltkrieg durch die hinzu kommenden Flüchtlinge eine besondere Situation. Was verändert sich dadurch jeweils? Die Frage soll am Schluss nochmals gestellt werden. Zuvor aber soll ein Gang durch die Geschichte mit vielen Stationen aufgezeigt werden.

Altbayern

In Altbayern bestand schon vor der Einwanderung im 5. / 6. Jahrhundert christlicher Glaube.

> Regensburg (Sarmannina)
> Passau (Severin)

Missionsapostel prägten das christliche Leben in der Folgezeit:

> Eustasius (+ 2. April 629)
> Korbinian, Bischof von Freising (+ 8. September 725)
> Marinus (Wanderbischof) und Anian (Irschenberg)
dazu Magnus von Füssen, Kilian, Kolonat und Totnan von Würzburg.

Während der Großteil des Bayernvolkes noch im Heidentum verharrte und den alten Naturreligionen anhing, hatten sich die agilolfingischen Herzäge so wie ihre königlichen Herren aus dem Geschlecht der Merowinger bereits dem katholischen Christentum zugewandt.

Ende des 7. Jh. kommen die fränkischen Missionare

> Rupert (Salzburg)
> Erhard und Emmeram (Regensburg).

Dann kommen angelsächsische Boten:

> Bonifatius mit seinen Verwandten und Freunden.

In dieser Zeit gibt es wenige Zeugnisse, aber auch kein Zeugnis darüber, dass das Christentum in Bayern unter Zwang eingeführt worden sei. Agilolfinger wie Frankenherrscher förderten das Christentum.

Theodelinde, Tochter des Bayernherzogs Garibald, kommt als Christin an den Langobardenhof.

Im Liber pontificalis: Herzog Theodor ist in den den ersten Jahrzehnten des 8. Jh. nach Rom gewallfahrtet, ebenso Tassilo III.

In dieser Zeit wird Epfach ein wichtiger Ort des Christentums gewesen sein.

 

Die Frömmigkeit Karls des Großen

 

15. Jahrhundert

Die Frömmigkeit im 15. Jahrhundert war keineswegs bloß "erstarrtes Knochengebein, tot für lebendige Frömmigkeit". Was das religiöse Leben im Volke betrifft, so waren die Deutschen in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts vielleicht frömmer als vorher und nachher, ausgenommen etwa die Zeit vor dem zweiten Kreuzzuge. Prächtige Gotteshäuser wurden ausgeschmückt, Stiftungen zu Ehren der Heiligen, zu einem "ewigen Seelgerät", für kirchliche und humanitäre Zwecke, in Gründung von Bruderschaften zu gemeinsamer Gottesverehrung, in Heiligen- und Reliquienverehrung, im Ablassgebrauch, in der Teilnahme an Andachten, Kirchenumgängen, Bittgängen und Wallfahrten. Die Teilnehmer an den Münchener "Gnadenjahren" 1392, 1480, 1481 und 1482 werden auf viele Tausende angegeben. (Doeberl I, S. 382f)

Es ist ein Irrtum, sich vor der Reformation einen Zustand religiöser Leere zu denken.

Predigten in deutscher Sprache waren keine Seltenheit, einige besonders hervorragende Prediger sind uns bekannt (Die Minoriten Kaspar Schatzgeyer und Heinrich Kastner, oder der Augustinermönch Johann Hoffmeister). Zur Unterweisung dienten Tafeln mit Gebeten und dem Glaubensbekenntnis, die in der Kirchen angebracht waren, Gebetbücher, Katechismen, Beichtbücher. Auch Bibeln waren in zahlreichen deutschen Ausgaben verbreitet.

Trotzdem ergibt sich ein tragisch-desolates Bild der kirchlichen Situation am Vorabend der Reformation. Als Zeugen treten hierfür auf:

Den unmittelbaren Anlass für die Abfallbewegung von Rom bildete die Ablasspredigt von 1517.

Dass auch in Bayern der Ablass missbraucht wurde, zeigt das erste Religionsmandat des Erzbischof von Salzburg, Matthäus Lang,
und die Akten der Mühldorfer Synode von 1522.
Hier wird über die Bosheit Klage geführt, mit der die Gläubigen von den Einsammlern des Almosens und anderen Personen, die erdichtete oder schon widerrufene Ablässe herumtrügen, nicht nur besteuert, sondern auch in die grüßte Seelengefahr gebracht würden durch Lösung der Gelübde, durch Nachlass der schwersten Verbrechen.

Kilian Leib sagt, dass "der Missbrauch, der mit dem Ablass getrieben wurde, eine Hauptschuld" trägt für den Abfall von der alten Kirche.