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Matthias Flothow
dumii@web.de

Bayerische Geschichtsschreibung

Kaiserchronik (Mitte des 12. Jh.)

Lit: Erich Wimmer, Kaiserchronik, in: Literaturgeschichte, S. 118-130.

 

1275

Hermann von Niederaltaich

1201(02) - 1275, seit 1242 Abt

Legt das "Urbarium et Codex hirsutus" an, "Annales",

"Nach dem Tod des Abtes Hermann von Niederaltaich1275 bricht die große Geschichtsschreibung jäh ab." (Kraus S. 146) Er berichtete nicht nur von seinem eigenen Kloster, sondern vom Land Bayern, von Königen und Päpsten, den Herzögen des Landes. ("De spoliatione monasteriorum per Arnolfum ducem Bacariae, Genealogia Ottonis II ducis Bacariae" (1170-1250).)

Die Klosterannalistik geht weiter.

Erst Kaiser Ludwig wird wieder im Mittelpunkt von Werken stehen, die an die Traditionen des 13. Jahrhunderts anknüpfen.

Abt Volkmar von Fürstenfeld

Abt 1284 des Zisterzienserklosters Fürstenfeld, + 1314. Rat und Beichtvater Herzog Ludwig des Strengen.

schreibt seine Chronik "Chronik der Herzöge von Bayern" (Annales Boiorum libri VII), das "Leben Kaiser Ludwigs IV.", die bayerische Fortsetzung der Sächsischen Weltchronik.

Heinrich der Taube von Selbach,

+ 9.10.1364 Eichstätt, Jura- und Theologiestudium, 1328 als Prokurator am päpstlichen Gerichtshof in Avignon. 1334/35 Vertreter Bischof Heinrichs von Eichstätt vor der Rota. Eichstädter Domherr.

Schreibt - mit Parteinahme für Ludwig dem Bayern - eine Papst- und Kaiserchronik, überwiegend nach kirchenrechtlichen Quellen gearbeitet. "Chronicon Heinrici surdi de Selbach" (MG SS NS I).

Sechs Biographien der Eichstätter Bischöfe seiner Zeit für den Liber ponticivalis ecclesiae Eistetensis.
 

Annalen von Mühldorf,

Mühldorf gehört zu Salzburg. Die Annalen beginnen 1313. Der erste Eintrag handelt vom Sieg Ludwigs 1313 bei Gammelsdorf, der zweite von seinem Sieg 1322 bei Mühldorf, der dritte moniert das Vorgehen des Erzbischofs von Salzburg gegen das "Land zu Paiern".

Andreas von Regensburg,

+ um 1438, Chorherr von St. Mang, bekommt von Herzog Ludwig im Bart den Auftrag für eine bayerische Geschichte. Seine Übersetzung aus dem lateinischen Original ist ein Denkmal bayerischer Prosa im frühen 15. Jh.: Chronik der Fürsten zu Bayern. Lebt von der mittelalterlichen Weltchronistik und sieht die Geschichte verankert in Zusammenhängen von universaler Weite. Wird Vorbild für das ganze 15. Jh.

Die Geschichtsschreibung blüht auf. Grund dafür ist nicht der Humanismus, sondern das "gesteigerte Selbstbewusstsein" (Kraus S. 185), das mit der tatkräftigen Regierung von Ludwig dem Reichen und Albrecht IV. gegeben ist.

Hans Ebran von Wildenberg

* um 1425/35, + 1501/03

Erbt Schloss Wildenberg. Nimmt an den Kriegen Ludwig des Reichen teil (Hauptmann in der Schlacht bei Giengen 1462).
1463 herzoglicher Rat
1464-1472 Oberrichter in Landshut.
Hofmeister bei der Herzogin Amalia in Burghausen,
Hofmeister bei der Herzogin Hedwig,
Pilgerfahrt ins Heilige Land 1480.

Er ist Geschichtsschreiber Ludwigs: Chronik (erste Fassung 1465-79, zweite Fassung abgeschlossen um 1490)

Die Chronik geht von biblischen Anfängen bis zu seiner Zeit. Ziel: Nachweis der Abstammung der Grafen von Schyern von den Karolingern.
Fußt auf Chroniken: Otto von Freising, Jakobs Twinger von Königshofen und Andreas von Regensburg.

Er wird benutzt von: U. Füetrer, Veit Arnpeck und Aventin.

Ulrich Füetrer

Geschichtsschreiber Albrechts IV.. Hofmaler und Dichter

Überraschend sind diese beiden nicht humanistisch geprägt. Die humanistischen Geschichtsschreiber haben am Rand gelebt:

Wolfgang Marius von Aldersbach, Abt

Die Aldersbacher Annalen sind bereits echte Forschungsarbeit, doch sein Gedicht vom bayerischen Krieg war durch die metrische Form wenig geeignet, individuelle oder lokale Informationen zu übermitteln. 

Angelus Rumpler von Formbach

 

Veit Arnpeck

Landshuter Pfarrer

 

Johannes Staindl

Geschichtsschreiber von Passau

 

Kilian Leib von Rebdorf

Geschichtsschreiber vom Eichstätter Bischof Gabriel von Eyb.

Aventin

Unter Maximilian I.:

1611

Christoph Gewold, Archivar Maximilians I. aus Amberg

Gewold hatte die wichtigste Quelle über Ludwig den Bayern veröffentlicht, die Chronik des Heinrich von Rebdorf. Damit wurden die historischen Werke von Leuten wie Brunner und Welser ergänzt. Die Herausgabe von Quellenschriften gehört in die naturwissenschaftliche Orientierung der Zeit (die allerdings in Bayern fast ausfällt). Dazu gehören auch der Ingolstädter Jurist Heinrich Canisius und der Dogmatiker Jakob Retser, der den nicht durchgeführten kühnen Plan einer vollständigen Sammlungen der Quellen zur bayerischen Geschichte hat. (Kraus, S. 262).

 

 

Marcus Welser

Augsburg (schärfere Kritik als Aventin)

Wiguläus Hundt

1626-1637 

1636:

Andreas Brunner

Jesuit, Tirol, Bayerische Helden

Lit.: Eberhard Dünninger, in: Literaturgeschichte 2, S. 111-123

 

Johann Vervaux

Jesuit, Lothringen

 

Johann Peter von Ludewig (urspr. Ludwig)

* 1668 Honhardt bei Schwäbisch Hall
+1743 Halle

Hofhistoriograph und Archivar in Magdeburg, Professor für Geschichte und Jura in Halle

Jurist und Historiker. Wikipedia: "Mit seiner einnehmenden Schreibart und seiner beispiellosen Keckheit hatte er dem wahren publizistischen Studium vielleicht mehr geschadet als genützt, wenn nicht sein wahrheitsliebender und schaftsehender Kollege Gundling ihn fortwährend kontrolliert hätte" (http://de.wikipedia.org/wiki/Johann_Peter_von_Ludewig (6.7.2011))

 

Nikolaus Hieronymus Gundling

*1671 Kirchensittenbach
+ 1729 Magdeburg

Büste in der Ruhmeshalle der Bavaria

Professor für Naturrecht und Philosophie in Halle

Lit: Diss: Fischer, Daniela: Der Blick eines frühen Aufklärers auf die Obrigkeit, die Gesellschaft und die Gebildeten seiner Zeit, http://ubt.opus.hbz-nrw.de/volltexte/2004/132/ (6.7.2011)

 

Johann Heinrich von Falckenstein

1682 - 1760

Eichstätter Jurist, Chronist, Diplomat

Geschichte der Markgrafschaften, Geschichte Nürnberg.
Bayerische Geschichte (hrsg. von J.A. von Ickstatt)

Immens fleißiges Zusammentragen von Einzelheiten, auch Kleinigkeiten, Fakten, auch Quellenauszüge, alle denkbaren Stellungnahmen der Historiker dazu: "ein Muster barocker Fürstengeschichtsschreibung" (Kraus 244).

AUFKLÄRUNG

Hier beginnt (wenn auch Falckenstein 15 Jahre später geschrieben wurde und weitere 15 Jahre später erschien) eine neue Zeit. Die Barockhistoriographie, die den Stoff in großer Fülle sammelt, Auszüge herstellt und Stellungnahmen der Historiker zitiert, endet. Sie war überwiegend Fürstengeschichtsschreibung. Es kommt die Zeit der Aufklärungsbewegung.

Anselm Desing

Benediktiner in Ensdorf/Oberpfalz

1735: Historica Auxilia
ein Handbuch der deutschen Staatengeschichte, ausführlich die Geschichte Bayerns.

Desing will erziehen. Er gehört bereits einer frühen Stufe jener pädagogischen Bewegung an, die sich selbst als Aufklärungsbewegung empfand. (Kraus 1979, S. 244)

Daniel Stadler

1762: Bayrische Geschichte

 

Johann Georg von Lori

* 16.6.1723, + 23.3.1786 in Neuburg (dorthin verbannt).
1746 Ingolstadt (Ickstatt), Extraordinarius für Kriminalrecht und Rechtsgeschichte.
Kontakt mit dem Hofbibliothekar F.A. Oefele in München.
Parteigänger der Philosophie Chr. Wolffs in Ingolstadt, dadurch Konflikte mit den Jesuiten.
1749 mit E. Amort erste Gründungspläne für eine "Bayerische gelehrte Gesellschaft", die er 1758 verwirklichte:
1759: Churbayerische Akademie der Wissenschaften. Lori leitet die historische Klasse bis 1760/61.

Diplomatische Tätigkeiten.
1777 wegen seines Widerstands gegen die Tauschabsichten Karl Theodors in Ungnade,
1779 Verbannung nach Neuburg.

"Chronologischer Auszug"

 

Lorenz von Westenrieder

*1.8.1748 München, + 15.3.1829 München.

1785 "Geschichte von Baiern für die Jugend und das Volk"

 

Zschokke

Magdeburg

 

Milbiller

Journalist

 

Konrad Mannert

Historiker, Erlangen, Landshut, München

2 Bände

 

Andreas Buchner

10 Bände Bayerische Geschichte

 

1914

Riezler, Sigmund Ritter von

(1843 - 1927), Geschichte Baierns, 8 Bände, 1878 - 1914, (2. Auflage Band I 1927), Registerband 1932 (J. Widemann).

"Heute gibt von allen deutschen Stämmen der bairische allein einem Staate den Namen, der wenigstens den Kern der alten Stammlande zum größten Theile umschließt ..."

1931

Michael Doeberl

Entwicklungsgeschichte Bayerns, 3 Bände, 1906 - 1931, 1. Auflage: Bd1: 1908, Bd2: 1928

 

Literatur: Kraus 1979

Zu bearbeiten: Stefan Dicker, Landesbewusstsein und Zeitgeschehen: Studien zur bayerischen Chronistik des 15. Jahrhunderts, Köln u.a. 2009