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Matthias Flothow
dumii@web.de

Linien der Philosophie

Politische Philosophie gegen päpstliche Weltherrschaft

(nach: Flasch, Kampfplätze, S. 177-191)

Thomas: Die aristotelische Politiktheorie und ihre papalistische Instrumentalisierung bei Thomas von Aquin
Dante: Dantes Theorie der Weltmonarchie
Marsilius von Padua: Verteidiger des Friedens

 

 

Philosophia perennis

(Nach: Wilhelm Schmidt-Biggemann, Enzyklopädie und Philosophia perennis, in: Franz M. Eybl u.a. (Hg.), Enzyklopädien der Frühen Neuzeit, Tübingen 1995, S. 1-18)

Was ist Philosophia perennis?

PP ist der Rahmen der Enzyklopädie im Mittelalter und in der frühen Neuzeit, sie ist die Fassung der Philosophie im monotheistischen Rahmen. Das Konzept dieser Philosophie bestimmt die Wissenschaft zwischen Spätantike und Aufklärung.

Namen: Agostino Steucho, De perenni philosophia, Lyon 1540 (Neudr. 1972)

PP setzt die Geltung einer philosophischen Theologie voraus, sie geht von der Konvenienz von Philosophie und Theologie aus. Diese Konvenienzforderung hat zur Folge, dass Wissenschaft nur im Rahmen der Offenbarung sinnvoll betrieben werden kann. Damit ist die Philosophie, zumal die Metaphysik festgelegt auf den Rahmen der natürlichen Theologie und der heilsgeschichtlichen Ökonomie.

Gilt Philosophie als die Grundlage und Grundlegung aller Wissenschaften, dann hat sie in ihrer Fassung als PP drei Essentials:

1. Monotheismus, 2. Schöpfungstheologie, 3. Heilsgeschichte.

Historische Gegenposition ist eine Philosophie, die zwar nicht den Gottesbegriff, aber die Schöpfungslehre für bezweifelbar hält. Diese Gegenposition wird meist unter dem Namen Averroes verhandelt.

Die philosophische Ausformung der monotheistischen Theologie ist platonisch-neuplatonischen Ursprungs, für Mittelalter ist sie orientiert an einer Einheitsphiloyophie plotinischer und proklischer Provenienz.

Dabei ist die Überlieferung von Plotin und Proklos in der Theologia Aristotelis und des Liber de Causis sozusagen der Rahmen, innerhalb dessen sich die Vorstellung des einen Gottes fassen ließ. Das war die Bedingung der Zusammenstimmung von Theologie und Philosophie der drei großen theistischen Konfessionen Judentum, Christentum und Islam. (Christlicherseits kam mit Dionysos-Areopagita eine weitere Unterstützung des Monotheismus hinzu).

Dabei ergeben sich zwei Typen von Enzyklopädie:

- Einmal der Weg, die Prädikate Gottesw und die Schöpfung als Emanationseinheit zu begreifen. Ergebnis sind 7-Tage-Werke, Schöpfungs- und Weltentwürfe, Muster etwa Liber de Causis, Theologie Aristotelis, Secreta secretorum.

Diese Art von Philosophie hatte ihr Analogie in den Weltentwürfen des christlichen Mittelalters, bes. Eriugenas Divisio naturae mit ihren Folgen bei Hildegard von Bingen und Honorius Augustodunensis.

- Daneben Enzyklopädien, die Gesamtdarstellungen von Disziplinen und Wissenschaften sind: Al Farabi, Avicenna, Al Rhasali, Averroes. christlich: Hugo von St. Victor: Didascalicon.

Die Henologie des Neuplatonismus stabilisierte den Monotheismus, indem die Philosophie des Einen als die Bedingung jeden Seins begriffen wurde. Gott ist das unprädizierbare Eine, das mit Überbietungsprädikaten gekennzeichnet ist. Aus ihm emanieren sein Selbstdenken und seine Schöpfung. Gott war der Grund allen Seins und Denkens, und die Schöpfung wurde nach demselben Muster der ursprünglichen Trennung Gottes von seiner Hypostast begriffen. So konnte die Schöpfung nur als Gedanke Gottes gefaßt werden, deshalb war die Schöpfung vernünftig.

Ihre Vernünftigkeit musste als Vernunft des Schöpfers ausweisbar sein. D.h. Gott mußte sich die Schöpfung gedacht haben, "ehe" sie wurde ("ehe" nicht zeitlich, sondern modal gemeint, denn Zeitlichkeit setzt die Existenz der Welt voraus). Alle Dinge mußten deshalb im Gedanken Gottes ihr Urbild, ihren Archetypus haben. Dieser Archetypus der Schöpfung bei Gott war das Wesen der Dinge.

Avicenna: Das, was sich Gott bei der Schöpfung der Dinge gedacht hatte, ist für ihn die Essenz, das Wesen der Dinge, das dann zur Existenz, zum Ding außerhalb des (göttlichen und menschlichen) Denkens geschaffen wurde.

Die Kriterien waren: Wirklichkeit, Möglichkeit und Notwendigkeit. Durch die vehementia essendi (die dynamische Notwendigkeit) kann Mögliches wirklich werden. Die Welt war also aus den möglichen Gedanken Gottes, aus der Sphäre der Intelligenz, so entstanden, dass seine Kraft die Essentien, die möglichen Denkinhalte des Intelligiblen, zur Existenz gebracht hatte. Gedanken Gottes, die zur Wirklichkeit kommen. (Insofern wird die Kenntnis der essentiellen Natur eine therapeutische Kraft für die materiale Natur.) Avicennas Darstellung der Universalwissenschaft heißt "Buch der Genesung" (Sifa) mit den Hauptabteilungen Logik, Physik, Mathematik, Metaphysik.

 

 

Reformversuche protestantischer Metaphysik