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Matthias Flothow
dumii@web.de

Religionspolitik

Agilolfingerzeit

Synode 716

Quelle: Kapitular Papst Gregors II. an Bischof Marinian und zwei weitere Geistliche. Enthält Instruktionen für die künftige kirchliche Organisation in Bayern.

Synode von Aschheim (756/757)

15 Beschlüsse, die eine Stärkung und Stabilisierung der bischöflichen Rechte brachten.

Zusätze zur Lex Baiuvariorum.

Synode von Neuching (771)

Schärftere Abgrenzung von bischöflicher und klösterlichen Sphäre.

Herzogliche Interessen: Sicherung der personellen Ressourcen, Friedenswahrung,

Aufwertung der durch den Herzog Freigelassenen.

Verbot, Knechte (Mancipien) zu verkaufen.

Synode von Dingolfing (776/777)

Bestimmungen im Laienbereich. (das zeigt die gesellschaftliche Dynamik dieser Zeit!)

Einzelbestimmungen, die den Rechtsstatus der Adeligen, Freien und Adalschalken (herzogliche Halbfreie) sichern.

Bischöfe sollen sich an das kanonische Recht halten. Äbte sollen sich an die Ordensregel halten. Ein Gebetsbund soll die Zusammengehörigkeit der Weltgeistlichen mit den Mönchen stabilisieren.

-- Warum hat Tassilo III. diese Synoden nicht in den Bischofssitzen oder Herzogszentralen stattfinden lassen. Herzoghöfe östliche der Isar! Neue Raumpolitik?

 

Reformationszeit

1. Bayerische "Innenpolitik" 2. Reichspolitik mit Auswirkung auf Bayern

Bayerische "Innenpolitik"

Albrecht IV. hatte Bayern (nach 1255) wieder vereint. Durch sein Primogeniturgesetz (1506) war der Bestand gesichert. In der Reformationszeit wurde Bayern die sicherste Stütze für die alte Kirche und das Papsttum und damit auch für den Kaiser. Diese Haltung gründet in persönlicher religiöser Überzeugung (Manfred Heim, Österreich ..., in: Bayern mitten in Europa, S. 126, hier auch zum Folgenden).

Religionsmandat vom Aschermittwoch (15. März) 1522 durch die Herzöge Albrecht IV. und Ludwig X.

Das Mandat erinnert daran, dass man in vielen Verhandlungen nichts habe unversucht gelassen, Luther zur Einheit des Glaubens zurück zu führen. Vermutlich bezieht sich das auf den Reichstag von Worms 1521. Dann werden einzelne Punkte genannt, die Luther von der alten Kirche unterscheidet: Messe, Beichte, Heiligenverehrung, Ordensgelübde. Zuletzt wird allen Untertanen verboten, die Lehren Luthers oder seiner Anhänger anzunehmen oder auch nur darüber zu disputieren. Allen Obrigkeiten wird befohlen, jeden Übertreter des Mandates, sei er geistlichen oder weltlichen, adeligen oder nichtadeligen Standes, ins Gefängnis zu werfen und darüber an die Herzöge zu berichten. (HStA München, aus Staatsverwaltung Nr. 2778)

Vom Standpunkt der Berechnung hätte sich die Reformation für die Herzöge "gelohnt", weil Bayern reich an Stiften und Klöstern, auch an fürstbischöflichen Hochstiften war. Aber sicher war auch die neugewonnene Einheit ein Moment, diese nicht wieder aufs Spiel zu setzen.

24. Mai 1522 beginnt die Synode zu Mühldorf

Generalmandat am 31. Mai 1522

1524 (2. Oktober): Zweites Religionsmandat

Scharfes Edikt: Wer einen Täufer anzeigt, erhält 32 Gulden, wer einen Lutheraner anzeigt, erhält 20 Gulden.

In Bayern erfolgt eine wüste Verfolgung von Wiedertäufern. Kanzler Johann Eck schildert es am 26. November 1527 dem sächsischen Herzog Georg:

"Die Bösewicht, die sich nennen Brüder, (haben) aus Augsburg ihrer vier ausgeschickt: einen an den Rheinstrom, genannt Ulrich; ist der ander Hans Hut ... in Stift Salzburg und Steyr, ... und der Dritte, Leonhardt Sporle, in Baiern geschickt worden. Con Steiermark aus, da sie sich gemehrt haben, sind kommen in Salzburg Hieronymus Hermann (ein ausgelaufener Mönch von Ranshoven in Bayern) - hat ein Weib, getauft von Hut; mit ihm (Eucharius) von Koburg und Joachim Mertz von Bamberg. Die drei sind verbrannt worden zu Salzburg am 25. Oktober in der Stadt, haben nicht revoziert... " (4 Männer enthauptet; 2 Frauen ertränkt) ... "Am 4. November ist Wolf Paumann, ein Edelmann, Richter zu Dietmering, geköpft worden, hat revoziert. Zwei Bürger, die nicht revoziert haben, sind verbrannt worden auf selbigen Tag. Man hat auch in einem Bauernhaus, 1/2 Meile von Salzburg - einer Einöde -, gefangen 11 Weiber und 16 Männer, darunter 21 revoziert haben, die man gen (Hallein?) geführt. Die 6 (anderen) hat man wieder in das Haus geführt, drein gebunden und mit dem Haus verbrannt am 6. November, Am 3. November hat der Kardinal ausschreiben lassen: wer sich hat wieder taufen lassen und sich in 8 Tagen anzeige, dem wolle man Gnade erweisen; wer hernach ergriffen wird, den wolle man an Leib und Gut strafen. Haben sich angezeigt 25 Weiber und 16 Männer. Die Männer sind in Hemd und Hosen und mit brennenden Lichtern, die Frauen ohne Mantel mit schwarzen Kreuzen auf dem Haupt vor der Kirche gestanden und nachmals absolviert und in die Kirche geführt worden, Sonntag vor Martini (10. November 1517). Hat noch allenthalben viele gefangen, auch einen Dr. theol. Mein gnädiger Herr von Konstanz hat einen lutherischen Mönch verbrannt Mittwoch nach Michaeli (2. Oktober 1527). Mein gnädiger Herr von Augsburg hat jetzt, 20. November, einen lutherischen Pfaffen (degradiert), wird ihn des Bunds Hauptleuten übergeben. In Baiern hat Lenh. Spörle viele verführt. Den hat mein gnädiger Herr Herzog Wilhelm jetzt am 12. November köpfen lassen; der hat revoziert. Eine Frau lag gefangen; weiß nicht, was mit ihr gehandelt. Zu Burghausen sind 18 gefangen. Hat mein gnädiger Herr befohlen: welcher revoziert, den soll man köpfen; welcher nicht revoziert, den soll man brennen. Der Türmer im Schloß hat angezeigt wie er voll Weins sei gewesen, als er getauft sei worden. Es hat ihm am Morgen gereut, ist zum Pfaffen gelaufen hat ihm gebeichtet ... Aber mein gnädiger Herr will ihm nicht Gnade mitteilen, muß mit den andern geköpft werden. Ursach, meinen gnädigen Herrn bewegend: es würde keiner ein Wiedertäufer, er sei denn vorher lutherisch; sie kommen auch zu niemand, er sei denn lutherisch. Drum müsse der Türmer vorher lutherische gewesen sein, sie hätten ihn sonst nicht zu ihrer Bruderschaft berufen. Und so habe er den früheren herzoglichen Befehlen nicht gehorcht. ... Zu Burghausen sind viele Personen entwichen: 2 Priester, der Schulmeister mit etlichen Bürgern, Weibern und dem Gerichtsschreiber ... "

"Was hab ich Jammer gesehen und gehört am Lechrain und an der Glonn", schrieb später Joh. Mathesius, der damals Hauslehrer in Odelzhausen an der Glonn war, "da sich die Leute mit Haufen wiedertaufen und ertränken ließen!" (Sämtlich zitiert bei Simon 1952, S. 192f)

1527 (15. November): Mandat gegen die Wiedertäufer

Scharfes Edikt: Wer einen Täufer anzeigt, erhält 32 Gulden, wer einen Lutheraner anzeigt, erhält 20 Gulden.

In Bayern erfolgt eine wüste Verfolgung von Wiedertäufern. Kanzler Johann Eck schildert es am 26. November 1527 dem sächsischen Herzog Georg:

"Die Bösewicht, die sich nennen Brüder, (haben) aus Augsburg ihrer vier ausgeschickt: einen an den Rheinstrom, genannt Ulrich; ist der ander Hans Hut ... in Stift Salzburg und Steyr, ... und der Dritte, Leonhardt Sporle, in Baiern geschickt worden. Con Steiermark aus, da sie sich gemehrt haben, sind kommen in Salzburg Hieronymus Hermann (ein ausgelaufener Mönch von Ranshoven in Bayern) - hat ein Weib, getauft von Hut; mit ihm (Eucharius) von Koburg und Joachim Mertz von Bamberg. Die drei sind verbrannt worden zu Salzburg am 25. Oktober in der Stadt, haben nicht revoziert... " (4 Männer enthauptet; 2 Frauen ertränkt) ... "Am 4. November ist Wolf Paumann, ein Edelmann, Richter zu Dietmering, geköpft worden, hat revoziert. Zwei Bürger, die nicht revoziert haben, sind verbrannt worden auf selbigen Tag. Man hat auch in einem Bauernhaus, 1/2 Meile von Salzburg - einer Einöde -, gefangen 11 Weiber und 16 Männer, darunter 21 revoziert haben, die man gen (Hallein?) geführt. Die 6 (anderen) hat man wieder in das Haus geführt, drein gebunden und mit dem Haus verbrannt am 6. November, Am 3. November hat der Kardinal ausschreiben lassen: wer sich hat wieder taufen lassen und sich in 8 Tagen anzeige, dem wolle man Gnade erweisen; wer hernach ergriffen wird, den wolle man an Leib und Gut strafen. Haben sich angezeigt 25 Weiber und 16 Männer. Die Männer sind in Hemd und Hosen und mit brennenden Lichtern, die Frauen ohne Mantel mit schwarzen Kreuzen auf dem Haupt vor der Kirche gestanden und nachmals absolviert und in die Kirche geführt worden, Sonntag vor Martini (10. November 1517). Hat noch allenthalben viele gefangen, auch einen Dr. theol. Mein gnädiger Herr von Konstanz hat einen lutherischen Mönch verbrannt Mittwoch nach Michaeli (2. Oktober 1527). Mein gnädiger Herr von Augsburg hat jetzt, 20. November, einen lutherischen Pfaffen (degradiert), wird ihn des Bunds Hauptleuten übergeben. In Baiern hat Lenh. Spörle viele verführt. Den hat mein gnädiger Herr Herzog Wilhelm jetzt am 12. November köpfen lassen; der hat revoziert. Eine Frau lag gefangen; weiß nicht, was mit ihr gehandelt. Zu Burghausen sind 18 gefangen. Hat mein gnädiger Herr befohlen: welcher revoziert, den soll man köpfen; welcher nicht revoziert, den soll man brennen. Der Türmer im Schloß hat angezeigt wie er voll Weins sei gewesen, als er getauft sei worden. Es hat ihm am Morgen gereut, ist zum Pfaffen gelaufen hat ihm gebeichtet ... Aber mein gnädiger Herr will ihm nicht Gnade mitteilen, muß mit den andern geköpft werden. Ursach, meinen gnädigen Herrn bewegend: es würde keiner ein Wiedertäufer, er sei denn vorher lutherisch; sie kommen auch zu niemand, er sei denn lutherisch. Drum müsse der Türmer vorher lutherische gewesen sein, sie hätten ihn sonst nicht zu ihrer Bruderschaft berufen. Und so habe er den früheren herzoglichen Befehlen nicht gehorcht. ... Zu Burghausen sind viele Personen entwichen: 2 Priester, der Schulmeister mit etlichen Bürgern, Weibern und dem Gerichtsschreiber ... "

"Was hab ich Jammer gesehen und gehört am Lechrain und an der Glonn", schrieb später Joh. Mathesius, der damals Hauslehrer in Odelzhausen an der Glonn war, "da sich die Leute mit Haufen wiedertaufen und ertränken ließen!" (Sämtlich zitiert bei Simon 1952, S. 192f)

1530 (27. April): Neues Mandat gegen die Wiedertäufer

1531 (3. Mai): Drittes Religionsmandat

 In Durchführung des Augsburger Reichstagsabschiedes von 1530 erschien am 3. Mai 1531 das dritte herzogliche Religionsmandat. Es untersagte einzeln aufgeführte Glaubensneuerungen sowie kirchliche Missbräuche.

Dieses Religionsmandat traf ein Land, in dem sich schon nichts Evangelisches mehr sehen zu lassen wagte.

1540 (6. Januar): Zensurmandat

Das Zensurmandat vom 6. Januar 1540 sorgte dafür, dass keine lutherischen Schriften verbreitet wurden:  Die Buchdrucker sollten keine Schrift der Öffentlichkeit übergeben, die nicht vorher von Sachverständigen geprüft sei.

Die Buchhandlungen sollten wenigstens jeden Monat einmal visitiert werden.

Der Verkehr mit den reformationsfreundlichen benachbarten Reichsstätten Augsburg und Regensburg, der "Grube aller lutherischen und anderer verwandten Ketzereien", wurde erschwert, insbesondere der Besuch des lutherischen oder zwinglischen Gottesdienst ganz verboten. Der Stadt Regensburg wurde vorübergehend sogar die Lebensmittelzufuhr abgesperrt.

 

1556 (31. März): Herzogliche Deklaration hinsichtlich der Kommunion unter beiderlei Gestalt

1562 (6. Juni): Reformationslibell

Ferdinand legt dem Tridentiner Konzil ein Schriftstück über die "Verbesserung der Kirche an Haupt und Gliedern" vor. Darin werden Laienkelch und Priesterehe verlangt (wie kurz vorher auch von Albrecht V.).

1564 (Breve vom 16. April): Bewilligung des Laienkelches für Bayern durch Papst Pius IV.

1569 (Juli) Religionsmandat Herzog Albrechts V.,

in dem er darüber klagt, dass in Landshut, Straubing, Burghausen Dingolfing und an anderen Orten Leute lutherisch geworden sind. Die betreffenden sind durch Amtsleute, die sonst eine Strafe von 20 Goldmark verwirkten, von Stund an mit Weib und Kind auszuweisen; Hab und Gut müsse binnen 14 Tagen verkauft sein.

1569 (30 September): Letztes bayerisches Religionsmandat

Im letzten bayerischen Religionsmandat gegen die Evangelischen wird eine Schulordnung verkündet, die Anordnung einer Bücherzensur und die Ankündigung einer allgemeinen Visitation im ganzen Land. 

1570 Der Geistliche Rat

1570 wird der Geistliche Rat gegründet. Er ist das staatliche Werkzeug zur Kontrolle der Beziehungen mit der Kirche. -> 1768

1571 Kirchenvisitation im Rentamt Landshut

 

Reichspolitik mit Auswirkung auf Bayern

1531 Schmalkaldischer Bund

1538, 10. Juni, Nürnberg: "Christliche Einigung"

Kaiser Karl V., die Herzöge Wilhelm und Ludwig von Bayern vereinigen sich gegen den Schmalkaldischen Bund. Da der Augsburger Reichstag von 1530 fernerhin alle Neuerungen beseitigt wissen wollte, schlossen sich die protestantischen Stände (5 Fürsten und 24 Reichsstädte) 1531 zum Schmalkaldischen Bund zusammen. Dagegen wurde 1538 die Christliche Einigung, ein katholisches Bündnis, geschlossen (GStA München, Kasten rot 6/63).

1546: Albrecht V. heiratet Erzherzogin Anna. Vorausgegangen war der Linzer Vertrag von 1534. Diese Heirat bedeutet einen Richtungswechsel in der bayerischen Politik. Sie ist der Auftakt für die Allianz zwischen Bayern und Österreich, die sich vor allem in den gegenreformatorischen Maßnahmen erweisen sollte. Im 30-jährigen Krieg wird das Schicksal der katholischen Sache vom Funktionieren der bayerisch-österreichischen Kooperation abhängen.

1547 Schlacht bei Mühlberg: Karl V. besiegt den Schmalkaldischen Bund.

1548: Geharnischter Reichstag zu Augsburg

Auf dem "Geharnischten Reichstag" zu Augsburg wurde von den Protestanten die Rückkehr zur katholischen Kirche gefordert und einstweilen nur der Laienkelch und die Priesterehe erlaubt.

1548: Bedenken gegen das Augsburger Interim

Die Wittenberger Theologen Caspar Cruziger, Georg Maior, Johannes Pfeffinger und Philipp Melachthon erheben Bedenken gegen das Augsburger Interim. (StadtA Augsburg, Evang. Wesensarchiv Akt Nr. 500 fol. 37-44)

(Johannes Pfeffinger (1493-1573) stammt aus Wasserburg am Inn und war 1523 zu Luther geflohen. 1540 wurde er der erste lutherische Superintendent Leipzigs.)

1552 Fürstenaufstand: Moritz von Sachsen wechselt auf die prot. Seite (Grund: Wortbruch gegenüber Philipp von Hessen und radikaler Katholizismus Karls V.). Heinrich II. fällt von Frankreich aus ein. Die Fürsten erheben sich gegen Karl. Dieser flieht nach Villach.
(An Moritz kann man sehen, welchen finanziellen Reichtum ein Fürst durch die Einführung der Reformation und ihrer Folgen haben kann!)

Albrecht warnt Karl nicht, unterstützt ihn nicht. Hält sich sehr zurück, eher in wohlwollender Neutralität gegenüber den Fürsten. Ist aber sofort auf der Matte, als es um Friedensverhandlungen geht, die dann zum Passauer Vertrag führen.

1552: Passauer Vertrag

Der Passauer Vertrag hebt das Augsburger Interim auf und garantiert die Gleichberechtigung der Konfessionen bis zum nächsten Reichstag. (Protokoll der Verhandlungen: StA Landshut, Passauer Blechkastenarchiv Kast. 7 nr. 39)

 

 

 

 

 

Absolutismus

1583 Konkordat mit dem Erzbischof von Salzburg

1768 wird unter Max III. Joseph der Geistliche Rat modifiziert. Die Reorganisation des Geistlichen Rates verbesserte die Möglichkeit, die staatskirchlich-territorialistischen Ideen in die Tat umzusetztn "bis zur völligen Knebelung der Kirche" (Schwaiger, S. Handbuch III, S.244)

Der zweite Direktor des Geistlichen Rats wird zum ersten ernannt. Erster Direktor war bisher immer ein Geistlicher. Neuer erster Direktor wird jetzt der Jurist und Direktor der Philosophischen Klasse der Akademie, Peter von Osterwald.

Osterwald hatte das Buch "Veremund von Lochsteins Gründe für und wider die geistliche Immunität in zeitlichen Dingen" geschrieben. Ihm geht es um den Versuch der Wiederherstellung der staatlichen Autorität innerhalb der Kirche. Das zielt auf den Reichtum der Kirche, die Besteuerung der Prälaten, die Aufhebung der Real- und Personalimmunität des Klerus. (System der Dezimation nicht mehr von der Kirche zu bewilligen, sondern autonom vom Staat zu gestalten).

Das Betteln zu bestimmten Terminen (Terminieren) wird den Bettelorden verboten. Bayerische Untertanen als Vorstände gefordert. Bayerische Ordensprovinzen gefordert.

1770 wird das "Placetum regium" verschärft eingeführt, das heißt, dass die Bekanntmachung geistlicher Verordnungen der Genehmigung der Regierung bedarf. Vorausgegangen war der Versuch des Freisinger Bischofs, eine Schrift zur Besteuerung der Prälaten in seinem Bereich zu unterdrücken.

Osterwald wendet sich gegen Scholastik und Klöster. Der Geistliche Rat greift allerdings nicht ein in den innersten kirchlichen Bereich (außer Feiertage, Wallfahrten und Bruderschaften).

Dieses aufgeklärt-staatskirchliche Programm (Verlangen nach einem bayerischen Einheitskonkordat und Errichtung eines (oder mehrerer) Landesbistümer) wurde episkopalistisch-febronianisch beantwortet vom Delegiertenkongreß der kurbayerischen Bischöfe in Salzburg 1770/71. Allerdings gab es hier kein Ergebnis (Uneinigkeit der Bischöfe, staatliches Interesse der Verständigung mit Rom).

Kurfürst Karl Theodor erreicht nicht die Herauslösung Bayerns aus der Reichskirche, auch nicht die Gründung eines oder mehrerer Landesbistümer. Aber er konnte von Pius VI. die Errichtung einer ständigen Nuntiatur in München erreichen (1785) und sich während des "Nuntiaturstreites" im Zweckbündnis mit Rom die Bavaria Sacra weitgehend unterwerfen.

Die Gründung eines Hofbistum, das zum Freisinger Diözesan-, und zum Salzburger Metropolitanverband exemt war, und sich auf das neu organisierte Kollegiatstift U.L.F. in München und die Hofkirche beschränkte (Rom stimmte am 15. Dez. 1790 zu!), war "ein revolutionärer Eingriff und der vorerst bescheidene Anfang einer neuen bayerischen Bistumsorganisation." Schindler III, S. 244)

 

 

1873: Der Kulturkampf hat Auseinandersetzungen gebracht über Spannungen, die zwischen dem Religionsedikt von 1818 und dem Konkordat bestanden. Konkrete Punkte waren: das Plazet, die Vermögensaufsicht des Staates über die Kirche, die Aufsicht über die Ausbildung des Klerus, das Ernennungsrecht der Bischöfe.