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Matthias Flothow
dumii@web.de

Angelus Rumpler

Seit 1501 Abt von Vornbach, Geschichtsschreiber und christlich-humanistischer Dichter.

Kraus (S. 191): neben Aventin der sprachgewaltigste in Bayern.

Abt des Benediktinerklosters Vornbach von 1501-1513, Humanist und Geschichtsschreiber,

* ca. 1460/62 in Vornbach bei Passau,
† 6.3.1513. (Totenrotel im Bayerischen Hauptstaatsarchiv, Vornbach KL 24)

Rumplers Geburtshaus in Vornbach war das Anwesen Nr. 17. Vater Stiftsbäcker und Einheber von Abgaben.
Ausbildung an der Schule des Stiftes.
Am 13. Oktober 1477 Eintritt als Novize, Ablegung der Profeß unter Abt Leonhard am 29. September 1478. Als Priester und in der Seelsorge tätig, Ämter wie Küchen- und Kellermeister sowie Archivar.
Als Abt Leonhard am 9. Nov. 1501 starb, wurde das Wahlrecht dem Abt von Mondsee, Wolfgang Haberl (1499-1521), dem Abt von Asbach und Rumpler selbst übertragen; er wurde am 1. Dez. 1501 durch Kompromiss zum Abt gewählt und am 21. Dez. 1501 vom Passauer Bischof Wiguleus Fröschl (BBKL XXIII/2004, Sp. 446-454) unter Assistenz des Rektors der Wiener Universität, Johannes Kaltenmarkter und des Passauer Kanonikers Watzenstarfer benediziert.
Die Wahl "durch Kompromiss" erfolgte auf Wunsch des herzoglichen Kommissärs gegen den Willen des Konvents. R. selbst kritisiert diese Vorgangsweise, als "daß die Fürsten sich alles Recht herausnehmen und der Kirche und den Religiosen nichts übrig lassen", die Ursache dessen sei aber die Zeit, die alle Mängel und Schäden aufweise, wie sie nur die Zeit vor dem großen Gericht, die Endzeit, haben könne. "Denn die Religiosen selber seien vom frommen Pflichtbewußtsein der Früheren abgefallen, die Fürsten würden sie deshalb beherrschen und den Mönchen ein Gut, ein Besitztum nach dem anderen abnehmen." Schuld an der Zwietracht zwischen Landesherrn und Geistlichkeit sei die Habsucht, aber, "auch wir, die Mönche, können nicht genug bekommen, hierdurch geschieht es, daß wir wie Säue leben und uns fortwährend im Kot wälzen."

Seine erste Zeit als Abt war von großen Problemen beschwert: das Stift war mit hohen Schulden belastet und mit enormen Geldforderungen seitens der Landesfürsten konfrontiert. Sehr zu leiden hatte man auch unter dem Landshuter Erbfolgekrieg 1504. "Trotzdem hob Rumpler das Stift moralisch und materiell, er stellte die gesunkene Disciplin wieder her, gewann mehrere schwebende Processe, vermehrte die Bibliothek und zeigte sich als Freund der Wissenschaften [...]" (Otto Schmid, A.D.B., Band 29).

 Über die Stiftsbibliothek berichtet R.: "Im Bücherschrank wirst du viele Bände sowohl über die Artes, wie über die Theologie, und wenige über die Philosophie finden. Ich weiß nicht, warum die Früheren die so notwendigen Artes vernachlässigt haben. Viele Bücher haben Abt Leonhard wie auch ich für das Kloster zusammengebracht, jedoch haben wir sie nicht mit unserem eigenen Geld, sondern mit dem des Klosters gekauft. Auch waren sie billiger zu unserer Zeit als früher, weil der Druckerfleiß weit verbreitet ist. Gewiß hätten wir niemals zu solch großer Menge an Büchern gelangen können, wenn eben diese Buchdruckerkunst nicht erfunden wäre. Sie vermehrt die Wissenschaften derart, daß sie nichts im Verborgenen läßt [...]" Viele der Bücher wurden von R. mit Kaufnotizen oder Ausschmückungen versehen.

In den Jahren 1595, 1610 und 1616 wurden auf Grund eines Befehls Herzog Maximilians zur Erstellung eines großen bayerischen Geschichtswerkes eine Anzahl zeitgeschichtlicher Werke, darunter auch von R., nach München gesandt. Der Bestand der Bibliothek betrug damals ca. 300 - 500 Einzelschriften.

Um 1717 erwähnt der Melker Historiker Bernhard Pez (BBKL VII/1994, Sp. 399-402) nach einem Besuch, fast alle Bücher des Klosters seien zugrunde gegangen. Anläßlich der Säkularisation wurden 1803 12 Manuskripte und 239 Inkunabeln nach München und 628 Bände nach Landshut, Straubing und Passau gebracht. -

 1503 verbrachte er mehrere Monate im Filialkloster Gloggnitz. Die Reise verlief wohl bis Wien ca. 3 Tage auf der Donau, von dort durch das Wiener Becken mit Pferd und das letzte Stück wegen des tiefen Schnees (zu Chr. Himmelfahrt, 25. Mai) auf einem Ochsengespann. In Gloggnitz bestätigte Angelus Rumpler die 1499 neu erhaltenen Satzungen der Bruderschaft und betätigte sich als Kritiker ihres Weinbaues. Er stufte den Wein vom Aichberg als den "Unangenehmsten", den von Rechwang als den "Stärkeren" und den vom Silbersberg als den "mit dem in der Öffentlichkeit vorzüglichsten Namen" ein und kommt, da Fachmann als Kellermeister, zum abschließenden Urteil: "Mir scheinen doch alle diese Weine etwas rauh und minderen Werts. Wir haben auch in Schadwienn Zehentweine, die aber sind noch weniger wert."

Auch das Kloster Gloggnitz selbst beschreibt er in seiner "Historiae Formbacensis libri III": "Das Kloster Gloggniz ist in der Art einer Burg gebaut, von einer Mauer und einem Wall umgeben. Das Haus ist groß und sehr alt. Es enthält die Praelatur und die Probstei und sowohl für den Abt als für den Probst besteht ein Dampfbad bei ihrer Zelle. Aber auch für die Diener ist gesorgt, sie haben ihre Schlafräume in den einzelnen Vorwerken. Für die Brüder, die hier wohnen, besteht ein Schlafsaal mit einzelnen Zellen. An Kornspeichern, Speise- und Vorratskammern fehlt es nicht, um Feldfrüchte und Eßwaren aufzubewahren [...]." Landschaft und Tierwelt finden sein Interesse: "Wo immer du hinschaust, du siehst nichts als Berge, [...] auch Rehe und Ziegen fehlen nicht, die ihre Gipfel einnehmen, [...] sie steigen hinauf und wieder hinab ohne fremde Hilfe [...]." Die Rückreise mit einem Aufenthalt in Wien am 29. Sept. benutzte er, um von Johannes Staindl 12 Bücher für die Klosterbibliothek anzukaufen.

1503/04 nahm R. als Vertreter der Landstände an den Landschaftsversammlungen teil. Der von Herzog Georg (des Reichen) einberufene Landshuter Landtag (10.12. 1503 - 5.1. 1504) hatte die Aufgabe, zwischen den Ansprüchen des Pfalzgrafen Ruprecht, der von Georg als Nachfolger bestimmt war und dem Teile des niederbayerischen Adels anhingen und denen der Herzöge Albrecht und Wolfgang von Bayern-München, von Bürgerschaft und Prälaten mehrheitlich bevorzugt, zu vermitteln. Während R. bei den Sitzungen noch Argumente anzuhören hatte, "menschliche wie göttliche, daß sie das Papier kaum zu fassen vermöchte", war er, als er nicht in den Ausschuß gewählt wurde, "frei und müßig und wir fröhnten unserem Vergnügen und dem Nichtstun."

Bei den folgenden Landschaftsversammlungen ließ R. sich vertreten und nahm erst wieder am 6.5. 1504 am Schärdinger Teillandtag teil. Dieser war, in einer ausgesprochen unübersichtlichen Situation, geprägt von gegensätzlichen Befehlen, Erwartungen und Versprechungen der Kontrahenten, auch Kriegshandlungen wurden bereits gesetzt. Die Auflösung dieser Versammlung erfolgte schon am 8. Mai.

Der nächste Landtag vom 13. bis 20.1. 1505 fand in Passau statt, diesmal wurde R. in den 24 Mitglieder zählenden Ausschuß gewählt, dessen Beratungsergebnis er in einer Zusammenfassung wiedergab.

In "Historiam Monasterii Formbacensis" beschreibt Angelus Rumpler die Geschichte des Klosters Vornbach, seine Lage, Baulichkeiten, Gründungsgeschichte, Privilegien und Schenkungen, die Lebensgeschichten der Äbte, wobei er nur auf spärlich vorhandene Überlieferungen aus dem Kloster zugreifen konnte. ("[...] ich weiß nicht, warum unsere Vorgänger so wenig den Späteren zurückgelassen haben, gleichsam nichts ist bei uns vorhanden [...]" - meint aber selbst: "es ist nicht nötig, daß ich alles der Nachwelt überliefere"). Dankbare Erwähnung findet diesbezüglich der Mönch Conrad Puls, späterer Propst in Gloggnitz, der ca. 1423 die Abschrift eines alten Martyrologs angefertigt hatte. (Die gleiche Quelle verwendete J. Staindl, Historische Kollektaneen). Weitere Quellen waren das Traditions- und Copialbuch sowie der Formbacher Traditionscodex. Besonders eindrucksvoll die Schilderung seines Amtsvorgängers Leonhard (1474-1501): Kopf, Nase, Ohren "magnum", Ohren wie Pendel, großes, gespaltenes Kinn, dicker Körper, an dem kaum die Glieder zu unterscheiden wären, liebte Bad und Wärmestube, in der Liebe zu seiner Einzigartigkeit hätte er die Werke aller Früheren gering geschätzt, religiös gleichgültig, geschwätzig, zornmütig, maßlos in Eß- und Trinkgewohnheiten, in Urteilen ohne Unterscheidungsvermögen, strafte ausartend, viele Folterwerkzeuge wandte er über das Ausmaß der Vernunft an.

Weiters schreibt er über die Geschichte und Topographie der Propstei Gloggnitz (s. oben), sowie Stadt und Augustinerstift Herzogenburg. Das Werk wurde am 25. Juli 1504 fertiggestellt.

"Gestorum in Bavaria libri VI" behandelt in 6, mit je einem Prolog versehenen Teilen die Geschichte Altbayerns und die Ereignisse während des Landshuter Erbfolgekrieges. Anlehnung beim geographischen und enthnographischen Teil an Piccolominis "De Europa". Zum Teil aus eigener Anschauung berichtet er über die Städte Landshut, München, Ingolstadt, Burghausen Salzburg, Regensburg, Schärding und z. B. Passau: "...dies habe ich mit so großem Vergnügen gesehen, daß ich meinte, die Schätze des Krösus zu erblicken." Es folgt eine Genealogie der bayrischen Herzogsgeschlechter. Vom Landshuter Erbfolgekrieg war das Kloster durch Einquartierungen von Soldaten und angedrohten Brandschatzungen, von welchen man sich loskaufen musste, betroffen. R. versucht sich in einer Beschreibung der Kontrahenten: "In beiden findet man keinen Tadel, außer, daß den einen (Ruprecht) die allzu große Gutherzigkeit, den anderen (Albrecht) die allzu große Strenge tadelnswert macht, denn wie die Gutherzigkeit gezügelt werden muß, so auch die harte Strenge."

"Calamitatum Bavariae liber unus" erzählt - unvollendet - in 732 Versen ebenfalls vom Landshuter Erbfolgekrieg.

Auch hinterließ R. zahlreiche ungedruckte Epistolae, Sermones und Carmina, verfasst in lateinischem Distichon und anderen Metren der klassischen Verskunst. Sowohl geistliche als auch weltliche Themen wurden verarbeitet: Hymnen auf Gott, Heilige, kirchliche Feste; Grabmalinschriften, Nachrufe, Briefgedichte an Freunde (z.B. an den Abt von Aldersbach, Wolfgang Marius (BBKL XXIV/2005)), Vorworte zu eigenen und fremden Schriften, Buchepigramme, Trauerlieder. Beispielsweise diente die Schrift "Dialogus de contemptu mundi", bestehend aus sechs Büchern, versehen mit zahlreichen Zitaten aus der Heiligen Schrift und antiken Klassikern, der Belehrung und Erbauung von Klosternovizen und der Stärkung der Überzeugung ihrer mönchischen Berufung.

Zu seinen Lebzeiten wurde keine seiner Schriften gedruckt, sondern vom Kloster aufbewahrt. Erste Aufzeichnungen über Leben und Werke Rumplers bei Caspar Bruschius, der 1552/53 das Kloster Vornbach besuchte und vom damaligen Abt Stephan Färber Informationen über R. bekommen haben dürfte.

Übersicht über seine Manuskripte bei Kobolt, Baierisches Gelehrten-Lexikon, 1795, Beurteilung bei L. Oblinger, S 17ff.

Beurteilungen:

Laut Riezler sind Rumplers aufgeklärte Gesinnung, der leichte, ungezwungene Vortrag, die aufmerksame Beobachtung der Wirklichkeit und das liebevolle Eingehen auf die Erscheinungen des Alltagslebens, der Sinn für Naturschönheit, die scharfe Zeichnung menschlicher Charaktere Vorzüge, denen man in mittelalterlichen Schriften höchstens vereinzelt begegnet und dies sei ein Zeichen, mit welchen Riesenschritten unter dem Einfluß der humanistischen Bildung die ganze Art zu denken, zu empfinden und sich auszudrücken dem modernen Geiste näher gerückt ist.

Dagegen findet H. Glaser: Aufbau, Sprache und Stil sei zwar an neueren Autoren orientiert, Situation und Eigenart des Geschichtsschreibers würden aber in das Hochmittelalter zurückweisen.

J. Oswald: Rumpler gilt als bedeutendster Mönch des Klosters Vornbach, als hochbegabt und gebildet, gläubig, sittenrein, edel, vorbildlich und verantwortungsbewußt und als strenger Richter über Menschen und Leben in Welt und Kirche seiner Zeit.

Dorrer meint, daß sich der Humanismus bei Rumpler erst auf eine formale Stufe erstreckte; daß sich sein innerstes Wesen nicht dem humanistischen Geiste angeglichen hatte, verdeutlichen gerade auch seine beiden Geschichtswerke, die ihn als den Geschichtsschreiber zwischen Spätmittelalter und Humanismus aufzeigen. Als Autor der Klostergeschichte tritt er selber in dem Werk kaum in Erscheinung. In völliger Unpersönlichkeit, ohne irgend eine Ichbezogenheit, ja betont ausweichend vor einem Selbstbildnis, widmet er das Werk nur dem geschichtlichen Leben Formbachs. Ein derartiges Persönlichkeitsbewußtsein oder Selbstvertrauen, das die eigene Person als erwartungsvollen Neubeginn der weiteren Geschichte des Klosters gezeichnet [....] hätte, wie es bei humanistischen Autoren immer zu erwarten ist, derartiges lag ihm sichtlich ferne. Einen bezeichnenden Hinweis darauf gibt schon die Tatsache, daß er sich nie mit vollem Namen nannte [...] während dagegen bei jeder Gelegenheit mit beiden Namen [..] die humanistisch beeinflußten Zeitgenossen [...] signierten. Viel eher [...] mag man Angelus Rumpler den mittelalterlichen (Autoren) zuordnen, die hinter ihren Werken weitmöglichst zurücktreten.

Mohrmann stellt die Frage nach dem Grad der Aufnahme und Verwendung sallust'scher Gedanken bei Rumplers Darstellung des Landshuter Erbfolgekrieges, um damit die Intensität der Aneignung und Verarbeitung antiker Literatur zu erhellen und kommt zur Erkenntnis, daß seine biographische Technik in besonderem Maße der Kenntnis der antiken Literatur verpflichtet ist und das Werk mit Recht in den Rahmen des Humanismus eingereiht werden darf. Sein aus der Antike stammendes Ideal von Maß und Norm, gekleidet in den entsprechenden Ausdruck der benediktinischen Ordensregel ist auf eindrucksvolle Weise Ausdruck dessen, was als Klosterhumanismus bezeichnet wird. Dies kommt insbesonders zum Ausdruck in der Ablehnung der hemmungslosen Begierde "avaritia", die Betonung der "ratio", die den Menschen über den Zustand des tierhaften Seins erhebt und die Hervorhebung der "discretio", die das menschliche Handeln auf dem rechten Mittelweg hält. Auch zeigt R. in der Anwendung der Synkrisis deutlich, in welch hohem Grade er sich die Kenntnis der antiken Literatur zu eigen gemacht hat.

Archivalien: Staatsbibliothek München: Münchener Handschriften Clm 1806, Clm 1851, Clm 6153 (=C.bav.cat.3a), Clm 27182, Clm 27183: Hauptstaatsarchiv München: Kloster Formbach Lit. Nr. 2, 3, 4, 5, 51/3, 5 1/2, 8, 9, 16 Fasc. 2, 24, 26, 32, 35; Regestenbuch der Formbacher Urkunden; Gericht Griesbach Lit. Nr. 1, Bände I-V; Altbaierische Landschaften Lit. No. 577;
Biographie des Angelus Rumpler "Kloster Vornbach B 1" (bis 1982 Staatsarchiv Landshut: Rep. 44, Fasc.174, No.17): Staatliche Bibliothek Passau, Inkunabel-Abteilung: Einträge in Inc. Nr. 8, 17, 35, 59, 66, 68, 79, 117, 121, 122, 128, 134, 153, 155, 193, 209, 333: Österr. Nationalbibliothek Wien, Handschriftensammlung: Sign. 7343: "Angelus Rumpler abbas Formbacensis: Fundatio et situs coenobii Formbacensis" 1562: Sign. 4011: "Angelus Rumpler abbas Formbacensis: Carmen ad Wolfgangum abbatem in Mondsee": Sign. 8456: "Commemoratio traditionum monasterii S. Mariae ad Formpach (Formbach)", "Confirmationes privilegiorum monasterio Formpacensi concessorum (Formbach).

 

 

 

 

 

Bericht über Herzog Georg den Reichen