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Matthias Flothow
dumii@web.de

Hofgartenarkaden München

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Die Hofgartenarkaden sollten zunächst mit griechischen Szenen ausgemalt werden. Diese sind in der Neuen Pinakothek vorhanden.

a – Bavaria mit Schild „Gerecht und Beharrlich"; Entwurf Wilhelm Kaulbach, Ausführung Johann Georg Hiltensperger und Philipp Foltz.
13 – „Bayern erstürmen eine türkische Verschanzung vor Belgrad im Jahre 1717" (Supraporte); Entwurf und Ausführung Dietrich Monten
1 – „Befreyung des teutschen Heeres im Engpasse von Chiusa durch Otto den Großen von Wittelsbach 1155"; Entwurf und Ausführung Ernst Förster
2 – „Pfalzgrafs Otto von Wittelsbach Belehnung mit dem Herzogthum Bayern 1180"; Entwurf und Ausführung Clemens Zimmermann
3 – „Vermählung Otto des Erlauchten mit Agnes, Pfalzgräfin bei Rhein 1225"; Entwurf und Ausführung Wilhelm Röckel.
4 – „Einsturz der Innbrücke bey Mühldorf mit den darüber fliehenden Böhmen 1258"; Entwurf und Ausführung Karl Stürmer
5 – „Sieg Ludwigs des Bayern bey Ampfing 1322"; Entwurf und Ausführung Carl Heinrich Hermann
6 – „Ludwig des Bayern Kaiser Krönung zu Rom 1328"; Entwurf und Ausführung Hermann Stilke.
14 – „Maximilian Joseph III. stiftet die Academie der Wissenschaften im Jahre 1759" (Supraporte); Entwurf und Ausführung Philipp Foltz
b – „Rhein und Donau"; Entwurf und Ausführung Wilhelm Kaulbach
c – „Main und Isar"; Entwurf und Ausführung Wilhelm Kaulbach
16 – „Bayern schlagen die Entscheidungsschlacht bey Arcis sur Aube mit, 1814“ (Supraporte); Entwurf und Ausführung Dietrich Monten. Dieses Bild ist heute verloren, an seiner Stelle sieht man jetzt: 16 „König Maximilian Joseph I. gibt seinem Volke die Verfassungs Urkunde 1818" (Supraporte); Entwurf und Ausführung Dietrich Monten
7 – „Bayerns Herzog Albrecht III. schlägt Böhmens Krone aus 1440"; Entwurf und Ausführung Johann Georg Hiltensperger
8 – „Herzog Ludwig des Reichen Sieg bei Giengen 1462"; Entwurf und Ausführung Wilhelm Lindenschmidt d.Ä.
9 – „Herzog Albrecht IV. gründet das Recht der Erstgeburt zu der Regentenfolge Bayerns 1506"; Entwurf und Ausführung Philipp Schilgen und Philipp Foltz
10 – „Der Cöllnischen Burg Godesburg Erstürmung durch die Bayern 1583"; Ausführung Gottlieb Gassen
11 – „Maximilian I. Herzogs von Bayern Erhebung zum Kurfürsten 1623"; Entwurf und Ausführung Adam Eberle
12 – „Chur Fürst Maximilian Emanuel erstürmt Belgrad 1688"; Entwurf und Ausführung Karl Stürmer.

 

Ernst Förster hatte König Ludwig I. am 14. November 1826 einen ersten „Programm-Entwurf“ vorgelegt, der die geplanten Historienszenen umfasste. Er führte darin eine „Schlacht bei Alling 1422" als drittes Ereignis aus dem 15. Jahrhundert auf, jedoch keine Schlacht aus dem 16. Jahrhundert. Die „Erstürmung der Godesburg 1583" kam also erst auf Wunsch von König Ludwig I. hinzu. An Stelle der bei Förster genannten „Schlacht bei Brienne, 1814" wurde zur Ausführung außerdem jene bei „Arcis sur Aube" gewählt.

15 (ursprünglich 16) Darstellungen aus der Geschichte der Wittelsbacher.

1. Otto major von Wittelsbach erzwingt durch Kühnheit und Tapferkeit dem Kaiser Friedrich
Barbarossa den Durchgang bey dem von dem meineidigen Alberich besetzten Paß
Chiusa 1155.

2. Otto major von Wittelsbach (nun Otto I.) wird vom Kaiser Friedrich
Barbarossa mit dem Herzogthume Bayern belehnt 1180.

3. Otto der Erlauchte vermählt sich mit Agnes von der Pfalz, wodurch die Rheinpfalz an Bayern kömmt.

4. Ludwig und Heinrich schlagen Ottokar von Böhmen bei der Brücke von Mühldorf unweit Landshut
1257.

5. Ludwig der Bayer siegt bei Ampfing über seinen Gegenkönig Friedrich den
Schoenen von Oesterreich 1322.

6. Ludwig der Bayer wird nebst seiner zweiten Gemahlin am 17. Januar 1328 feierlich als Kaiser gekrönt zu Rom.

7. Ernst I. siegt bei Alling über Ludwig d. Baertigen, in welcher Schlacht er seinem Sohn Albrecht, der zu
weit vorgedrungen, mit eigener Faust das Leben rettet, 21ten Sept. 1422.

8. Albrecht III. lehnt die ihm angebotene böhmische Königskrone ab 1439.

9. Ludwig d. Reiche schlägt Albrecht Achill von Brandenburg bei Pieppen 1462*) hierbei ist zu bemerken, daß diese
Schlacht noch in das Jahrhundert der vorhergehenden zwei Darstellungen fällt.
[Anmerkung von der Hand Ludwigs I.: Nach dieser Bemerkung muß mir eine andere Kriegsthat, eine des XVI. Jahrhunderts vorgeschlagen werden. München 14. Nov. 26 Ludwig]

10. Albrecht d. Weise führt auf einem Landtage zu München das Recht der Erstgeburt ein, wodurch Bayern untheilbar wird 1506.

11. Maximilian I. erhält die Kurwürde zu Regensburg im J. 1623.

12. Maximilian Emanuel erstürmt Belgrad im Jahre 1687
[Anmerkung von der Hand Ludwigs L: den 6. September 1688 der Churfürst, der vorderste, ward dabey von einem Pfeil an der Wange verwundet]

13. Maximilian Joseph I. stiftet die Akademie der Wissenschaften 1759.

14. 17ten July 1717 Erstürmung durch die Bayern der Vorschanze, welche das große türkische, zu Belgrads Entsatz
herannahende Türkenheer aufgeworfen hatte. Belgrads Fall war die Folge.

15. Schlacht bei Brienne 1814.

16. Maximilian Joseph, König gibt seinem Volke die Verfassungsurkunde 1819“.

Das Gesamtprogramm der ursprünglich 16 Historienbilder beschreibt das Kunstblatt Anfang 1829: „In den Arkaden, welche die Rückseite des neuen Kaufhauses oder Bazars gegen den Hofgarten stützen, ... wurden gleich bey der Erbauung sechszehn Bogenstellungen zu diesen Frescogemälden bestimmt und eingerichtet ... so daß aus jedem Jahrhundert, in dem das Wittelsbachische Haus ununterbrochen über Bayern herrschte, eine Kriegsthat und
eine Begebenheit des Friedens dargestellt würde“.

Erichsen weist bei seiner Beurteilung darauf hin, dass problematische Ereignisse vor allem der damals jüngeren Vergangenheit wie die „Sendlinger Mordweihnacht“ (1705) oder die Eroberung Prags durch Karl Albrecht (1741) ausgespart blieben (S. 401). Sein Resümee zu den Wandbildern ist ebenfalls negativ. Das „Scheitern“ der „monumentalen Geschichtsmalerei“ der Cornelius-Schule, so Erichsen, wurde mit dem Triumphzug der „realistischen“, neuen belgischen Historienmalerei (Gallait und de Bièfve) 1842 besiegelt (S. 403-409).

 

Vgl. Bayerische Staatsbibliothek München, Nachlass Cornelius (nicht Ernst Förster), Ana 353, III, 2 Nr. 31.

Zum Ganzen: Holger Schulten, Der "Wittelsbacher"-Zyklus in den Hofgartenarkaden München, 2006, http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/artdok/volltexte/2006/151/pdf/01_Hofgartenarkaden.pdf (6.8.2011)

 

Das Thema Griechenland wurde dann doch noch aufgenommen und zwar in den nördlichen Hofgartenarkaden: Von 1840 bis 1844 malte Peter von Hess im Auftrag Ludwigs I. in den nördlichen Hofgartenarkaden einen Bilderzyklus, der die neueste Geschichte des Kampfes der Griechen gegen die Osmanen in 39 Bildern darstellte.

Hess war Anfang der 30er Jahre beauftragt worden, im Königsbau der Münchener Residenz einen Saal mit Szenen aus der antiken Geschichte auszumalen. Die Wahl Ottos zum König von Griechenland 1932 führte zu einer Planänderung. Hess sollte nun einen Bilderzyklus zur neueren Geschichte des Griechenkampfes bis zum Einzug König Ottos in Nauplia schaffen. Hierzu begleitet Hess den neu gewählten König auf dessen Reise nach Griechenland (1932-1933).

Der Bilderzyklus von Peter von Hess stellt die Griechische Revolution dar. Ausgangspunkt der Revolution war der Kampf der Griechen gegen die Fremdherrschaft der Osmanen für eine unabhängige griechische Republik mit Unterstützung der Großmächte Frankreich, Großbritannien und Russland. Der Philhellene Ludwig I. unterstützte finanziell den Befreiungskampf der Griechen. Nicht zuletzt deshalb fiel 1832 die Wahl auf seinen Sohn Otto als ersten König von Griechenland. König Otto wurde von den Signaturmächten Großbritannien, Frankreich und Russland und der griechischen Nationalversammlung zum ersten König von Griechenland gewählt.

Von diesem Zyklus sind nur mehr Kartons, also die Vorlage zu den Bildern in der Neuen Pinakothek vorhanden.